15. Juni 2006
Unpolitik gründlich erklärt
Vieles von dem, was wir hier schon an Unbehagen artikuliert haben, fasst Ulrich Speck im Kosmoblog auf lesenswerte Weise zusammen. Man könnte sich jetzt noch streiten, ob der “Drang zur Mitte” nur auf die bundesdeutsche Konsenskultur zurückzuführen ist oder nicht vielleicht auch, wie uns die Erkenntnisse der Ökonomischen Theorie der Politik nahe legen, auf das politische System in seiner konkreten Ausgestaltung. Vielleicht hat unser Demokratiemodell mit föderalem Aufbau und Verhältniswahlrecht aber auch etwas mit der deutschen Scheu vor politischen oder Konflikten überhaupt zu tun. Am liebsten sind uns doch Sprüche des Bundesverfassungsgerichts – da haben wir das Gefühl, der Konflikt sei überparteilich gelöst worden. Wenn wir denn schon keinen Kaiser mehr haben. Die “Bürger mitnehmen”, “runde Tische”, “Bündnisse für Arbeit”, “Große Koalitionen”: Dafür lassen die Deutschen sich leicht gewinnen. Die Leugnung von Interessengegensätzen ist aber leider nicht identisch mit ihrer Abwesenheit. Das Ergebnis ist die Blockade, die schon in den “Volksparteien” selbst beginnt.
Interessanterweise zeichnet sich dabei als eindeutiger Verlierer ausgerechnet die Partei ab, die in den letzten Jahren am meisten für dieses System stand:
Der Versuch der SPD, ein Programm zu entwerfen, dürfe daher zwangsläufig scheitern. Entweder es ist konkret, dann ist es nicht mehrheitsfähig, oder es ist eine Ansammlung von Gemeinplätzen, dann ist es irrelevant.
Die CDU stört sowas nicht, die war schon immer mehr Kanzlerwahlverein als Programmpartei. Wenn die den Kanzler stellt, kann auch – gemessen am Programm, soweit es aus Versehen trennscharf genug sein sollte, oder gemessen am Geschwätz vor der Wahl – der größte Bockmist beschlossen werden: Man ist ja an der Macht, mehr wollte man nie. So ergibt sich das Bild, dass die einen nicht können und die anderen nicht wollen. Mit wenig Aussicht auf Besserung.
Verfasst von Rayson um 19:47 Uhr in der Kategorie Grundsatzfragen, Politik (Trackback)
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