Sollen Städte Werbung für Kino-Ketten machen?

Die [Name der Kino-Kette] übertragen die Spiele der Weltmeisterschaft LIVE in gestochen scharfer HD-Qualität auf der großen Leinwand.

Wer seine Wunschbegegnung nicht im Stadion verfolgen kann, erlebt hier “Fußball de luxe” in einzigartiger Kinoatmosphäre und höchstem Kinokomfort.

Die Übertragung erfolgt mit eigens für die Weltmeisterschaft angeschafften hochleistungsfähigen LCD-Projektoren, die alle magischen Momente in bestmöglicher, hochauflösender Bildqualität auf die Riesenleinwand beamen. Zudem bieten die Kinosäle neben bequemem Sitzkomfort eine optimale Sicht von allen Plätzen – auch für kleine Fußballfans und Familien!
Der Eintritt ist frei, der Mindestverzehr beträgt 3 Euro.

Eine Organisation, die meint, mich mit solchen primitiven Texten ködern zu können, ist von vorneherein chancenlos. Aber der Text ist hier nicht mein Problem.

Sondern die Seite, wo ich ihn gelesen habe: Landeshauptstadt Düsseldorf

Ob und wie und in welchem Umfang sich Städte als Unternehmer betätigen sollen, wird heiß diskutiert (nein, von Liberalen wird das nicht so furchtbar heiß diskutiert; das versteht sich ja fast von selbst), aber die unentgeltliche Betätigung als PR-Agentur für private Kino-Betreiber fällt wohl unstreitig nicht unter die Kategorie “Aufgaben der Kommunalverwaltung”, oder?

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4 Kommentare zu “Sollen Städte Werbung für Kino-Ketten machen?”

  1. 10.06.2006 | 10:58

    Ich hoffe, Du bist jetzt nicht allzu enttäuscht von mir, aber ich war gestern (ganz ungeködert) in der Kette mit dem großen “C”, die bei uns aber einen lokalen Betreiber hat. Ich wollte wegen der WM nicht extra einen Fernseher anschaffen ;-)

    Die “gestochen scharfe Qualität” kann ich nicht bestätigen. Man sah die “Premiere”-Übertragung, aber definitiv nicht in Kino-Qualität oder “gestochen scharf”. Teilweise war der Projektor falsch eingestellt, so dass der obere und der untere Rand nicht richtig auf die Leinwand projiziert wurden. Die Werbung war penetrant. Positiv ist zu vermerken, dass der Raum sehr gut klimatisiert war und dass die Versorgung mit Getränken ordentlich funktioniert hat.

    Aber zu Deiner Frage: Das Marketing für C*X auf einer kommunalen Seite ist unanständig.

  2. 10.06.2006 | 11:01

    PS: Familienfreundlich war es allerdings wirklich. Es waren sehr viele Fußball-Papas, Kinder und Jugendliche im Raum und es gab nur /sehr wenige/ nationalistische Bemerkungen. Merkwürdig fand ich, dass einige bei der Hymne aufstanden, dann aber hemmungslos dazwischenquatschten.

  3. Marian Wirth
    10.06.2006 | 13:38

    stefanolix,

    nee, enttäuscht bin ich nicht. Ich will sogar noch nichtmal ausschließen, dass ich selbst diesen Kino-Komplex in den nächsten Wochen aufsuchen werde, rede mich aber damit heraus, dass ich das dann nicht tun werde, weil es mir auf diese Art und Weise “schmackhaft” gemacht wurde, sondern weil ich nur 300 Meter entfernt wohne.

    Wie ich sehe, bist Du dem Link nicht gefolgt ;-) . Es handelt sich bei der in Rede stehenden Kette nämlich nicht um die mit großem C und ein paar X, sondern um die mit dem großen C in der Mitte.

    Gegen das Wort “anständig” habe ich spätestens seit neulich eine Allergie ;-) . Ich hätte wahrscheinlich auch nichts darüber geschrieben, wenn die Stadt einfach nüchtern auf die Möglichkeit des Kinobesuchs hingewiesen ehätt, statt die Presseerklärung des Betreibers zu übernehmen – und wenn an derselben Stelle darauf hingewiesen worden wäre, dass im “Zentrum für Aktion, Kommunikation und Kultur” (zakk) alle Spiele kostenfrei anzuschauen sind. Und das zakk wird – jedenfalls für einzelne Projekte – von der Stadt bezuschusst!

    Aber es ist sicher zu viel verlangt, dass ein CDU-Oberbürgermeister auf eine von seiner Verwaltung mitfinanzierte Einrichtung verweist, in der vor allem rot-grüne Volksbelustigung stattfindet; dann lieber ein Herz für die Multiplexe.

  4. 10.06.2006 | 20:51

    OK, das nächste Mal schaue ich nach. Die “Verlautbarung” klang derart nach C*X und der Preis war auch exakt der selbe, so dass ich mir einfach zu sicher war.

    Den Multiplexen geht es aber ohnehin nicht gut. Dem Vernehmen nach haben sie in den letzten Monaten vor allem von den Kinderfilmen profitiert (da sieht man hier auch die meisten Schlangen vor den Kinokassen). So gesehen ist die Fußball-Aktion vielleicht eine Investition in das eigene Marketing. Denn ob sich das finanziell auszahlt, würde ich doch bezweifeln …

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