8. Juni 2006
Gesundbeterei
Frau Merkel möchte die Finanzierung des Gesundheitswesens auf diese Weise
lösen:
Dieses [alte] Beitragsmodell soll durch einen Fonds abgelöst werden, in den die Arbeitgeber pauschal rund sechs Prozent der Lohnsumme und die Versicherten einen einheitlichen Prozentsatz ihres Lohns und anderer bisher nicht der Beitragspflicht unterliegenden Einkommen einzahlen müssen. Darüber hinaus sollen Steuergelder in den Fonds fließen, etwa für die bisher über Beiträge finanzierte Versicherung der Kinder.
Und so soll das Geld verteilt werden:
Die Kassen sollen aus diesem Fonds pro Versicherten einen Betrag erhalten, der die durchschnittlichen Behandlungskosten pro Patient abdeckt. Kassen, die mit diesem Geld nicht auskommen, müssten zusätzlich bei ihren Versicherten einen Zusatzbeitrag als Kopfpauschale oder prozentualen Beitrag erheben.
Quelle: Handelsblatt (aktualisiert).
Ist das der große Wurf in der Gesundheitspolitik?
Die Kassen können insgesamt nur soviel Geld bekommen, wie in dem Fonds enthalten ist. Also wird die Summe pro Patient wahrscheinlich nicht nach den durchschnittlichen Behandlungskosten, sondern nach dem “Anteil” eines Patienten an diesem Fonds berechnet werden. Denn der Fonds kann keine Kredite aufnehmen und die Kosten im Gesundheitswesen waren bisher (fast) immer höher als die dafür zu Verfügung stehende Geldsumme.
Die Versicherten werden also über Steuern oder und über individuelle Beiträge draufzahlen. Und wenn die Krankenkassen nach den selben Regeln wie bisher geführt werden, wird sich wohl auch kein Wettbewerb einstellen können.
Dieses Ergebnis könnten wir auch ohne Reform haben
Durch die “Reform” wird die Struktur der Finanzierung ein wenig verändert und es wird wahrscheinlich mehr Geld in das Gesundheitswesen fließen. Ohne echten Wettbewerb werden die Verhältnisse aber weiterhin intransparent bleiben und die Kosten werden schon deshalb weiter steigen, weil neue Finanzierungsquellen aufgetan wurden …
Verfasst von stefanolix um 00:29 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)
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