24. Mai 2006
Empfehlung: Frédéric Bastiat
War ein Franzose der erste “Österreicher”? Die Beschäftigung mit den Schriften von Frédéric Bastiat legt die Vermutung nahe. Bastiat hat als Schüler französischer Ökonomen wie Say jedenfalls schon relativ früh erkannt, dass Werte im Grunde subjektiv sind. Sein Talent als ökonomischer Publizist ist unbestritten, und so können wir auch heute noch seine Werke mit Genuss lesen, so wir sie denn übersetzt vorfinden. Marianne und Claus Diem haben sich hier als Übersetzer hervorgetan, und ich kann aus voller Überzeugung sowohl die Website http://bastiat.de als auch das Buch Der Staat die große Fiktion. Ein Claude-Frederic-Bastiat-Brevier. empfehlen.
Zur Einstimmung mal Folgendes:
Am Ende seiner Systeme und seiner Bemühungen scheint der Sozialismus, wie selbstgefällig er auch sein mag, nicht umhin zu können, das Monströse des legalen Raubes zu sehen. Aber was macht er? Er verkleidet es geschickt für alle Augen, selbst für seine eigenen, unter den verführerischen Namen von Brüderlichkeit, Solidarität, Organisation, Vereinigung. Und weil wir nicht so viel von dem Gesetz erwarten, weil wir von ihm nur Gerechtigkeit verlangen, so unterstellt er, dass wir die Brüderlichkeit zurückweisen, die Solidarität, die Organisation, die Vereinigung und wirft uns das Schimpfwort Individualisten an den Kopf.
Wisse er also, dass wir nicht die natürliche Organisation zurückweisen, sondern die erzwungene; nicht die freiwillige Vereinigung, sondern die Formen der Vereinigung, die er uns auferlegen will; nicht die spontane Brüderlichkeit, sondern die gesetzlich vorgeschriebene Brüderlichkeit; nicht die Solidarität der Vorsehung, sondern die künstliche Solidarität, die nur ein ungerechter Ersatz für Verantwortung ist.
Der Sozialismus, wie die alte Politik, aus der er hervorgegangen ist, vermengt die Regierung und die Gesellschaft. Darum schließt er jedesmal, wenn wir nicht wollen, dass die Regierung etwas tut, dass wir wollen, dass es überhaupt nicht getan wird. Wir weisen die staatliche Bildung zurück, also wollen wir keine Bildung. Wir weisen eine Staatsreligion zurück, also wollen wir keine Religion. Wir weisen die staatliche Gleichmacherei zurück, also wollen wir keine Gleichheit; usw. Dies ist, als ob er uns anklagte, wir wollten nicht, dass Menschen essen, weil wir den staatlichen Weizenanbau ablehnen.
Verfasst von Rayson um 00:25 Uhr in der Kategorie Politik, Wirtschaftspolitik (Trackback)
18 Kommentare