Empfehlung: Frédéric Bastiat

War ein Franzose der erste “Österreicher”? Die Beschäftigung mit den Schriften von Frédéric Bastiat legt die Vermutung nahe. Bastiat hat als Schüler französischer Ökonomen wie Say jedenfalls schon relativ früh erkannt, dass Werte im Grunde subjektiv sind. Sein Talent als ökonomischer Publizist ist unbestritten, und so können wir auch heute noch seine Werke mit Genuss lesen, so wir sie denn übersetzt vorfinden. Marianne und Claus Diem haben sich hier als Übersetzer hervorgetan, und ich kann aus voller Überzeugung sowohl die Website http://bastiat.de als auch das Buch Der Staat die große Fiktion. Ein Claude-Frederic-Bastiat-Brevier. empfehlen.

Zur Einstimmung mal Folgendes:

Am Ende seiner Systeme und seiner Bemühungen scheint der Sozialismus, wie selbstgefällig er auch sein mag, nicht umhin zu können, das Monströse des legalen Raubes zu sehen. Aber was macht er? Er verkleidet es geschickt für alle Augen, selbst für seine eigenen, unter den verführerischen Namen von Brüderlichkeit, Solidarität, Organisation, Vereinigung. Und weil wir nicht so viel von dem Gesetz erwarten, weil wir von ihm nur Gerechtigkeit verlangen, so unterstellt er, dass wir die Brüderlichkeit zurückweisen, die Solidarität, die Organisation, die Vereinigung und wirft uns das Schimpfwort Individualisten an den Kopf.

Wisse er also, dass wir nicht die natürliche Organisation zurückweisen, sondern die erzwungene; nicht die freiwillige Vereinigung, sondern die Formen der Vereinigung, die er uns auferlegen will; nicht die spontane Brüderlichkeit, sondern die gesetzlich vorgeschriebene Brüderlichkeit; nicht die Solidarität der Vorsehung, sondern die künstliche Solidarität, die nur ein ungerechter Ersatz für Verantwortung ist.

Der Sozialismus, wie die alte Politik, aus der er hervorgegangen ist, vermengt die Regierung und die Gesellschaft. Darum schließt er jedesmal, wenn wir nicht wollen, dass die Regierung etwas tut, dass wir wollen, dass es überhaupt nicht getan wird. Wir weisen die staatliche Bildung zurück, also wollen wir keine Bildung. Wir weisen eine Staatsreligion zurück, also wollen wir keine Religion. Wir weisen die staatliche Gleichmacherei zurück, also wollen wir keine Gleichheit; usw. Dies ist, als ob er uns anklagte, wir wollten nicht, dass Menschen essen, weil wir den staatlichen Weizenanbau ablehnen.

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18 Kommentare zu “Empfehlung: Frédéric Bastiat”

  1. 24.05.2006 | 1:01

    Na, die subjektive Werttheorie hat noch ältere Vorläufer, sogar in Frankreich. Vor Bastiat gab’s Mandeville, und vor Mandeville gab es de Boisguilbert, der auch schon Subjektivist war. Das waren nicht immer bornierte Etatisten da drüben. ;-)

    Und auch in England gab’s schon frühe Vorläufer des Subjektivismus. John Locke vertrat den in den “Considerations” bereits 1692.

    Es wäre interessant für einen Dogmenhistoriker, mal herauszufinden, warum eigentlich Smith das alles nicht rezipiert hat, oder jedenfalls nicht überzeugend fand, und die Arbeitswertlehre akzeptierte.

  2. 24.05.2006 | 1:14

    Danke für die Hinweise und die so berechtigte Frage!

    Aber Boisguilbert – klingt das nicht zu sehr nach einem Gegenspieler von Robin Hood? ;-)

  3. 24.05.2006 | 10:11

    Gegenspieler? Würde passen wenn man Robin Hood als Ökonom auffasst. Das tun vielleicht auch manche Politiker – nicht das ich damit ein Problem hätte :-)

  4. 24.05.2006 | 12:58

    Die erste Formulierung einer subjektiven Wertlehre geht wohl auf einen Spanier zurück, der im 16. (!) Jahrhundert gelebt hat.

    http://de.liberty.li/history/index.php?id=20

  5. 25.05.2006 | 8:39

    Was soll denn “subjektive Wertlehre” überhaupt sinnvoll meinen können?

    Und wenn ich schon “natürliche Organisation” lese, hallelujah … ‘n bißchen viel Romantik (verstanden im Sinne dieser historischen Phase mit Novalis, der blauen Blume und so), kann das sein?

    Bald bauen Liberale Palisadendörfer, wie einst in Gorleben sie standen … und tanzen in diesen, endlich befreit vom sie sich selbst entfremdenden Staats-Sozialismus, wahlweise zum “Safety Dance” von Men without Hats (wegen des Videos, meine ich) oder sogar bots in einem Anfall spontaner Brüderlichkeit statt erzwungener Arm in Arm im Kreise ;-)

    Pardonnez-moi, ich finde das alles wirklich sehr sympathisch, aber das hat wirklich was von dem, was wir uns zwischen Kontstantin-Wecker-Konzert und Friedensdemo einst zuraunten, Erich Mühsam zitierend (”Ich bin ein Pilger, der sein Ziel nicht kennt ..”) und pro Stirner, aber contra Marx seiend …

  6. 25.05.2006 | 19:11

    @MomoRules

    Abgesehen davon, dass sie den Unfug von der Arbeitswertlehre, auf der u.a. Marx aufbaut, nicht mehr braucht, ist eine “subjektive Wertlehre” auch viel offener gegenüber dem Denken von Wirtschaft als Prozess mit offenem Ausgang. Für einen Neoklassiker z.B. ist ein Preis letztlich durch Kosten determiniert. Für einen “Österreicher” ist der Preis eine Information, wie hoch die Kosten sein dürfen.

    Auch meine Betriebswirtshälfte kann damit viel mehr anfangen :-)

    Und übertreib das mal nicht mit der “natürlichen Ordnung”. Wie du selbst andeutest, ist Bastiat eben auch ein Kind seiner Zeit (der hat noch nicht mal Habermas gelesen!), und die “natürliche Ordnung” ist ein Konzept, das er von seinen Vorbildern übernommen hat, den “Schotten” (Smith, Hume..) und den Physiokraten. Spannend finde ich da aber dann wieder den Bezug zur “spontanen Ordnung” eines Hayek, zunächst mal als gedankliche Einteilung.

    “Entfremdung” ist nicht das Thema. Zwang ist es.

  7. 25.05.2006 | 20:59

    @Rayson:

    Ich wurde gerade wieder von einem (mächtigen) Kunden gezwungen, Miese zu machen … also jetzt nicht ihm den Ökonom vorzuspielen, der so ähnlich heißt, sondern ein fettes Minus zu generieren … wäre ich selbstständig, wäre ich jetzt pleite.

    Das mit der “natürlichen Ordnung” – klar, mag Kind seiner Zeit gewesen sein, der Mann, unter Bedingungen des Jahres 2006 sträuben sich da bei mir trotzdem die Nackenhaare … übrigens wegen Foucault, nicht wegen Habermas ;-) – in’s Gesellschaftliche projizierte Naturalismen landen strukturell fast immer beim Entfremdungsmodell.

    Aber: Eine Information darüber, wie hoch die Kosten sein dürfen, ist doch

    a.) immer noch an die Kosten selbst gebunden, insofern wirken die dann immer noch auf den Preis, zwar nicht nicht in seiner exakten Höhe, aber sie legen zumindest das Minimum fest ( + HU und Gewinn oder auch Deckungsbeitrag, je nachdem, wie man’s strickt oder nennt und ob man sowas mit dem konkreten Projekt wieder reinbekommt).

    b.) das hat doch mit “subjektiv” nix zu tun – ich habe die Frage schon ernst gemeint …

    Und, kurz ‘ne Polemik: Die vieldiskutierten No Go-Areas sind meines Wissens im Sinne Hayeks doch auch eine “spontane Ordnung”?

  8. 25.05.2006 | 23:42

    @MomoRules

    Von deinem Kunden wurdest du bestimmt nicht gezwungen. Er muss mit dir keine Geschäfte machen und du nicht mit ihm…

    Zu den Preisen/Kosten: Natürlich kann beides auf Dauer nicht auseinanderlaufen, aber die Frage ist, worum es sich bei den Kosten wirklich handelt (und ob es ein solch statisches “auf Dauer” überhaupt gibt). Aus Sicht der Anhänger von subjektiven Werten sind alle Kosten Opportunitätskosten, und zwar der tatsächlich individuellen alternativen Verwendung.

    “No Go”-Areas: klar sind das spontane Ordnungen. Und wenn du das jetzt in irgendeiner Form als Argument verwenden möchtest, dann brauchst du allerdings noch jemanden, der “spontane Ordnungen” als immer und grundsätzlich gut bezeichnet.

  9. 26.05.2006 | 8:23

    @Rayson:

    Natürlich ist das Zwang im engeren Sinne, was dieser Kunde da ausgeübt hat, und natürlich sind wir gezwungen, mit ihm Geschäfte zu machen, und in einer bestimmten Hinsicht er auch mit uns, aber er viel weniger (das ginge jetzt zu weit, das detailierter zu beschreiben, das wäre dann Ausplaudern von Interna). Wer sich’s mit so großen Kunden verscherzt, hat ein großes Problem … diese Wahlfreiheit, die ihr immer beschreibt, habe ich in 13 Jahren am “freien Markt” nicht gehabt. Der ist ja kein Wochenmarkt, wo man zwischen den Ständen einfach so hin- und herwechselt. Es gibt da immer größere Organisationsformen, die die kleineren zu irgendwas zwingen.

    Was jetzt “subjektiv” an den Werten ist, hast Du immer noch nicht erläutert, und anhand welcher Kriterien man dann gute und schlechte spontane Ordnungen unterscheidet und was man macht, wenn die schlechten entstehen, das ist auch noch offen …

    Habe übrigens – einmal Statler, in fast jedem Posting die Freilichen aus der Schweiz – jetzt immer wieder aus dem Hayek-orientierten liberalen und auch dem libertären Lager die These vernommen, ganz automatisch würden sich die vernünftigen Ordnungen herausbilden, und dann würde wie von Zauberhand alles gut, wenn man nur spontane Ordnungen endlich zuließe …”was wollen wir trinken, 7 Tage lang” … habe weiß Gott auch gar nix gegen die, ist ja toll, reicht aber nicht …

  10. Zodac
    26.05.2006 | 13:34

    @Momo

    Das Preise für den einzelnen Menschen subjektiv sind dürfte offensichtlich sein. Eine Metal-CD hat für mich einen anderen Wert als eine Hip-Hop CD. Die Kosten der Herstellung spielen hier zu aller erst ekien Rolle. Erst in einem optimalen Wettbewerb passt sich der Preis den Durchschnittskosten an, womit dann z.B. meine Metal CD mir weniger kostet als sie mir wert ist.

    Nach Anreizen (wie z.B. Gewinn und Verlust) seine Entscheidungen zu treffen hat nichts mit Zwang zu tun. Die freie Wahl zu haben bedeutet ja auch nicht, daß die möglichen Ergebnisse alle gleich gut wären.

    Von Zauberhand ist es sicherlich nicht, welche uns besser stellt. Man sollte die spontane Ordnung nicht mit einem göttlichen Paradies verwechseln, in welchem alle Menschen perfekt sind. Und die Ergebnisse jeder Ordnung lassen sich nur mit Wahrscheinlichkeiten berechnen. Die Chance, daß aus der spontanen Ordnung eine friedliche und tolerante Gesellschaft entsteht ist aufgrund der menschlichen Natur durchaus sehr wahrscheinlich, schließt aber nicht mit absoluter Sicherheit national befreite Zonen aus.

  11. 26.05.2006 | 13:41

    @MomoRules

    Dein “Zwang” ist in Wirklichkeit das beste Beispiel für subjektive Werte :-) Die Opportunitätskosten der Verweigerung des Auftrags waren dir einfach zu hoch. Erzähl mir bitte nicht, dass deine Weigerung, den Auftrag anzunehmen, jemals mit mehr als deiner Entlassung geendet hätte.

    Gerade die Bewertung durch die jeweils individuell andere Alternative ist subjektiv. Vielleicht hätte ich (oder jemand anderes) an deiner Stelle gesagt: “Macht euren Kram doch allein!”?

    Das “von Zauberhand alles gut” setzt schon mal eine Vorstellung von diesem “gut” voraus, über die wir zuerst reden müssten. Ich bin mir sicher, für Hayek sind andere Dinge “gut” als für dich…

    Ich bin gerade erst dabei, mich in Hayeks Vorstellungen (und die nachfolgender Institutionenökonomen) einzulesen, und zwar ganz im Sinne seiner Beschreibung der “Tüftler” im Gegensatz zu den “Meistern ihres Fachs”, also als Anregung und Ergänzung der eigenen Vorstellungen, nicht etwa, um – wie manche schlichten Geister vermutlich aus eigener Praxis meinen annehmen zu müssen – darin völlig aufzugehen.

  12. 26.05.2006 | 15:21

    @Zodac:

    Hi there ;-)

    Preise sind im selben Sinne Werte wie, wasweißich, es für gut befinden, anderen gegenüber aufgeschlossen zu sein? Und Hip Hop mag ggf. auch nur man selbst?

    Sorry, daß ich da so drauf rumreite, aber individuelle Präferenzmuster und Wertsetzungen sind ja immer schon mehr als subjektiv … Kant hätte seine Kritik der Urteilskraft ja nicht schreiben brauchen, wenn es diese Form der Subjektivität denn gäbe, die ihr behauptet …

    “Nach Anreizen (wie z.B. Gewinn und Verlust) seine Entscheidungen zu treffen hat nichts mit Zwang zu tun.”

    So trifft doch nun wirklich kein Schwein seine Entscheidungen, sorry, das ist doch immer eingewoben in ein ganzes Muster von Faktoren, von mir aus auch Anreizbündeln, aber so schlicht, nee … diese ganzen Reiz-Reaktions-Erklärungen sind nun wirklich nicht ganz up to date als Anthropologie, behaupte ich … na, und, was man macht, wenn die spontane Ordnung sich in Richtungen entwickelt, die man für nicht gut befindet, da habt ihr auch noch nicht drauf geantwortet.

    @Rayson:

    Weiß gar nicht, ob der Hayek wirklich andere Sachen für “gut” befindet als ich … habe eher immer das Gefühl, (fast) alle links und liberal wollen ganz Ähnliches, nur der Weg dahin ist umstritten.

    Ich selbst wäre gar nicht befugt, Aufträge anzunehmen oder auch nicht, habe jedoch im konkreten Fall tatsächlich davon abgeraten, das zu tun.

    Konsequenz wäre das Aufgeben einer Marktstellung, und da’s in meinem Marksegment tatsächlich nur 4 institutionell ausdifferenzierte Großkunden gibt, treten diese entsprechend machtbewußt auf.

    Nun kann man zwar ganz locker behaupten: Ach, Scheiß auf Entlassungen, evtl. der Schließung von Firmen (aus ganz ähnlichen Gründen gehen in meinem Marktsegment reihenweise kleine Klitschen pleite) – aber angesichts des aktuellen Arbeitsmarktes mit fast 40 noch mal eben den Beruf zu wechseln, was bei einem bestimmten Verhalten schnell die Konsequenz ist, nee, ich weiß ja nicht …

    Natürlich kann man Freiheit so formal bestimmen, wie’s Sartre tat, dann ist man eben auch unter Folter frei, hat der ja so gesagt. Und natürlich gibt es einen Unterschied zwischen Folter und Hartz IV. Für mich handelt es sich bei einer starken, institutionell verfestigten Einschränkung von und Steuerung von Handlungsoptionen um objektive Zwangslagen – objektiv a.) weil’s anderen Leuten auch so geht und b.) ich gute Gründe für das angeben kann, was ich behaupte.

    Was nie ausschließt, daß Andere bessere Gründ haben, eure oben waren’s bisher nicht ;-)

  13. 26.05.2006 | 17:49

    @MomoRules

    Nimm die Subjektivität, die Zodac und ich beschreiben, doch einfach mal als die hin, die wir meinen, und so, wie wir sie meinen – sie passend zu deinem Verständnis zu machen, wäre nicht sinnvoll, zumal es hier auch vor allem um den Gegensatz zu angeblich objektiven Werten geht und nicht um den Begriff der Subjektivität an sich.

    “Zwangslagen”, die m.E. immer subjektiv sind, sind meiner Meinung nach auch etwas anderes als die Ausübung von Zwang.

    Aber davon abgesehen ein kleiner Tipp an deinen Boss: Bei Aufträgen mit Minus dahinter macht es auch die Masse nicht…. Übrigens kenne ich diese Argumentationen nur zu gut. Bei einem etwas größeren Unternehmen, für das ich gearbeitet habe, konnte ich beweisen, dass jede zusätzliche Umsatzmark (damals noch…) negative Deckungsbeiträge brachte – und dennoch bemühte man sich, immer mehr Umsatz mit dem zu machen, einfach weil es eben das war, was man immer gemacht hatte und was traditionell grundsätzlich richtig und gut war. Zur Not erklärt man den Kunden zu einem “strategischen”: Das ist einer, den man hat, eigentlich nicht haben sollte, aber trotzdem will. Dieses Unternehmen wurde nach wenigen Jahren von einem anderen übernommen. Natürlich hatte es schon damals eine Wahl: Umsatz zurücknehmen, Kapazitäten anpassen (was hinterher natürlich geschah, nur vielleicht etwas ungeordneter). Der Zwang steckte nur subjektiv in den Köpfen.

  14. 26.05.2006 | 20:07

    @MomoRules

    Die Lehre besagt lediglich, daß ein Gut keinen innewohnenden Wert hat, der in irgend einer Weise objektiv messbar wäre.

    Jeder Gegenstand ist nur so viel wert wie er von einem Subjekt, einem Individuum, wertgeschätzt wird. Das ist alles.

    Folglich kann ein Unternehmer den Preis eines Gutes nur bis zu einem bestimmten Niveau festsetzen, nämlich soweit, wie es noch Individuen gibt, denen das betreffende Gut dieser Preis wert ist.

    Stellt ein Unternehmer ein Gut her, welches niemand benötigt und somit auch niemand wertschätzt, so ist dieses Gut wertlos und wird keinen Abnehmer finden, egal wieviele Arbeitsstunden hineingesteckt wurden.
    Es wird schwer sein Eskimos zu Hause zur Wertschätzung von Kühlschränken zu bewegen, während es im deutschsprachigen Raum schon anders aussieht.

    “natürliche Ordnung”

    Spontane oder natürliche Ordnung ist überall da, wo Menschen ohne äußere Zwangsgewalt durch andere Menschen, sich zu einem geordneten Miteinander zusammenfinden.

    Die Familie, das Unternehmen, der Kegelverein u.s.w.

    Eben das Gegenteil von Planwirtschaft und Sozialismus.

  15. 27.05.2006 | 20:35

    @Rayson:

    “Nimm die Subjektivität, die Zodac und ich beschreiben, doch einfach mal als die hin, die wir meinen, und so, wie wir sie meinen.”

    Nö, nix da – da geht’s schließlich um Wahrheitsfragen. Habe schweren Herzens als Sartre-Schüler den Linguistic Turn mitgemacht und sowieso das Gefühl, daß spezifische Formen des Liberalismus, keineswegs dieser im Ganzen, bis heute an den Aporien der Bewußtseinsphilosophie kranken und auch deshalb mir die eine oder andere Ökonomie beschreibende Position so wenig plausibel erscheint … um jetzt mal so richtig in die Habermas-Tröte zu blasen, aber der liegt da auch nicht falsch, glaube ich.

    Was Du mit Deinen Tipps an meinen Chef beschreibst: Völlig richtig!!! Bei solchen Fragen habe ich mich auch traditionsgemäß immer schon mit den Controllern verbündet ;-)

    Bis auf einen Punkt – wir haben jetzt wieder ein Produkt geliefert, das einfach saugut wurde. Das zieht dann auch andere Aufträge nach sich … jetzt hat sogar mein Heuschrecken-Finanzvorstand gestern einen mit mir gesoffen (der hat bis dato noch nicht mal mit mir geredet, seit er als “Investor” hinzustieß) – ganz stolz drauf, sich als eiskalter Finanzmensch mit ‘nem Kreativen im Lichte der Kundschaft sonnen zu können. Und wenn er die Auswertung des Projekts sieht, werde ich wahrscheinlich gefeuert ;-) – Berichte vom Markt, wie er wirklich ist …

    Das mit den Zwangslagen und dem Zwang ausüben ist ganz schön spannend, wenn man das weiter denkt – bei Gelegenheit sollten wir das mal durchspielen!

    @Mathias B.:

    “Die Lehre besagt lediglich, daß ein Gut keinen innewohnenden Wert hat, der in irgend einer Weise objektiv messbar wäre.”

    Okay, damit kann ich tatsächlich was anfangen, das ist auch ganz im Geiste kritischer Philosophie.

    Auf das Argument:

    “Stellt ein Unternehmer ein Gut her, welches niemand benötigt und somit auch niemand wertschätzt, so ist dieses Gut wertlos und wird keinen Abnehmer finden, egal wieviele Arbeitsstunden hineingesteckt wurden”

    hatte ich gehofft, mir war nämlich entfallen, wer so die Marxsche Arbeitswertlehre kritisiert hat – wer war das noch?

    Das ist auch plausibel, wenn man “Wert” jetzt im Sinne der reinen Ökonomie deutet … interessant ist doch aber dennoch auch hinsichtlich wirtschaftlicher Theorien, wie verschiedene Satz-Typen der Form “ich finde gut, daß p” in der Wirtschaftspraxis etwa miteinander kollidieren? Hat irgendjemand das mal untersucht?

    Auch im real-existierenden Sozialismus gab es übrigens diese Formen der spontanen Ordnung, als Wessi glaubt man ja gar nicht, was sich unter dem Dach beispielsweise der FDJ so alles abspielte … und Sozialismus ist ja auch nicht immer gleich Planwirtschaft. Wenn’s nach mir ginge, würde sich in der Hamburger Innenstadt innerhalb der nächsten Monate spontan eine sozialistische Ordnung herausbilden ;-)

    PS: Wie man bei spontanen Ordnungen dann handelt, wenn sie schief laufen, hat immer noch niemand beantwortet … z.B. die berühmte Rütli-Schule war ja auch ein solcher Fall spontaner Ordnung gegen staatlichen Zwang …

  16. 27.05.2006 | 22:38

    @MomoRules

    Das zieht dann auch andere Aufträge nach sich …

    Wenn die alle ähnliche Deckungsbeiträge haben, würde ich mich darüber wirklich nicht freuen ;-)

    Was die “subjektive Wertlehre” betrifft, wird dir nichts anderes übrig bleiben, als unsere Definition als gegeben zu betrachten oder die Kommunikation dazu einzustellen – wir wollen hier ja nicht über “Subjektivität” an sich reden, sondern darüber, wie Werte zustande kommen.

    hatte ich gehofft, mir war nämlich entfallen, wer so die Marxsche Arbeitswertlehre kritisiert hat – wer war das noch?

    Jevons, Menger und Walras werden gewöhnlich als die Begründer der Grenznutzenlehre genannt, auf der solche Kritik dann aufbaut. Danach hätte ein solcher Satz eigentlich von jedem kommen können. Aber wie Statler ja zeigte, gab es vorher schon andere, die mit der Arbeitswertlehre, die ja nicht Marxens Erfindung ist, sondern z.B. auch von Smith und Ricardo vertreten wurde, nichts am Hut hatten.

    Die Frage ist wirklich, ob lokal begrenzte Situationen den Begriff der “Ordnung” ausfüllen, der eher gesamtgesellschaftlich gedacht ist. So, wie es in einer Wettbewerbswirtschaft auch immer wieder Firmen gibt, die mit Verlust arbeiten, so wird es unter den Bedingungen, unter denen “spontane Ordungen” zustandekommen, auch immer wieder Ansätze zu wenig Erfolg versprechenden Regelkombinationen kommen. Hayek würde sowas wohl als zur Weiterentwicklung notwendige Versuche betrachten, gegen den Regelcomment zu verstoßen. Entscheidend ist, was sich auf Dauer durchsetzt. Und bitte beachte, dass bislang hier niemand gefordert hat, die Welt solle sich auf “spontane Ordnungen” beschränken.

  17. 28.05.2006 | 0:06

    @momoRules

    “hatte ich gehofft, mir war nämlich entfallen, wer so die Marxsche Arbeitswertlehre kritisiert hat – wer war das noch?”

    Die Arbeitswertlehre stammt ursprünglich nicht von Marx, diese wurde schon von Smith und dann besonders Ricardo postuliert.

    Der Ökonom Jean Baptiste Say hatte diese seinerzeit kritisiert.

    Wichtige Fakten über die Entwicklung der Wertlehren findest du hier:

    http://www.mehr-freiheit.de/idee/menger.html

    Carl Menger hat die subjektive Wertlehre dann systematisch und detailliert formuliert.

    http://www.mises.de/texte/menger/Grundsaetze.html

    “PS: Wie man bei spontanen Ordnungen dann handelt, wenn sie schief laufen, hat immer noch niemand beantwortet … z.B. die berühmte Rütli-Schule war ja auch ein solcher Fall spontaner Ordnung gegen staatlichen Zwang …”

    Ich würde das eher “spontane Unordnung” nennen. ;)

    Hayek hat auch nie bestritten, daß spontane Ordnungen nur in einem vernünftigen Rahmen sprießen können, z.B. indem der Staat Eigentum und Vertragsfreiheit schützt u.s.w., daß da auch mal was schief laufen kann soll in den besten Familien vorkommen.

  18. 28.05.2006 | 9:44

    @Rayson und Mathias B.:

    Danke für die Hinweise noch mal! Daß das von Ricardo stammt, war mir sogar geläufig, bei Adam Smith kenne ich neben der “unsichtbaren Hand” natürlich wieder nur die Moralphilosophie ;-)

    Die Diskussion, welcher Rahmen denn nun richtig sei, kann man dann ja an anderer Stelle fortführen.

    Rayson, aber dieses “Ordnung” auf der Ebene “Gesamtgesellschaft”, da habe sogar ich als “elender Sozialist” – wahrscheinlich reflexhaft – erst mal kurz ein Nackenhaaresträuben. Da gelten für mich ja in der Tat nur Grundrechte, wie z.B. auch die von Mathias B. genannten – wo ich wahrscheinlich gar nicht weit weg wäre von Hayek, den aber um Sen und partiell Habermas ergänzen würde -, ansonsten bin ich schon eher für’s spezifische Je-nachdem. Bin mir sicher, daß man im Falle der Rütli-Schule ganz anders vorgehen muß als bei dieser Schule in Sachsen-Anhalt, auf die Cohn-Bendit neulich bei Christiansen verwiesen hat …

    Und ich glaube auch, daß in der Tat die eigentlichen Schlachten aktuell gar nicht auf der rechtlichen, also der Ordnungs-Ebene, zu führen sind, sondern in den Betrieben selbst, also in Formen des Wirtschaftens selbst … auch, um diese zu öffnen für jene, die aktuell davor rumstehen müssen.

    Und auch deshalb das Geschreibe über Deckungsbeiträge – hatte früher einen Finanzvorstand, der nicht die Harvard-Buisness-School-Perspektive des von-oben-Draufschauens einnahm, sondern als Controller die realen Arbeitsprozessse wirklich kennengelernt hatte und sich im Gegensatz zu manch anderem Controller auch darauf eingelassen hat.

    Das war sowohl für die Arbeitnehmer als auch für die Deckungsbeiträge die beste Zeit, es gab Gewinne und Zufriedenheit, man konnte ohne diese dämlichen Schlachten um Budgets in Ruhe arbeiten, und eingestellt werden konnte auch zu jener Zeit.

    Da sollte man mal lieber anknüpfen, auch in der politischen Diskussion … und mir schwant, daß das gar nicht so weit weg von dem ist, was der Hayek meinte und wollte.

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