8. Mai 2006
Grünfried 1, zweiter Teil oder: Kinder passt auf, der Grünfried geht um!
Den zweiten Teil meiner Grünfried-Rezension (wie auch alle zukünftigen Beiträge zum Greenpeace-Magazin) möchte ich etwas knapper halten. Zu umfangreicher Kritik eines ganzen Magazins fehlt mir einfach die Zeit, wie ich bei der ersten Rezension gemerkt habe.
Ich werde mich deshalb auf die absoluten Knaller unter den Greenpeace-Beiträgen beschränken. Zu diesen Knallern im Heft 2.06 gehört meiner Meinung nach auf jeden Fall das beiliegende Kinder-Propaganda-Comic.
Auf unglaublich plumpe Weise wird dort die Öko-Botschaft von der bösen Kernkraft dargestellt.
Das kluge Öko-Kind fragt bei einem Besuch eines AKW ganz schein-naiv, ob denn die Leitungen, an denen es vorbeikommt, explodieren könnten.
Natürlich lautet die Antwort nicht:
“Selbstverständlich können diese Leitungen explodieren. Genauso, wie dich morgen ein Auto überfahren, übermorgen ein noch unbekannter Virus dahinraffen und dir nächste Woche ein Asteroid auf den Kopf fallen kann. Der einzige Unterschied: Die Leitungen können wir hier kontrollieren und gegen Explosion schützen. Und wir können viel tun, dass eine explodierte Leitung keine allzu schlimmen Folgen hat.”
Natürlich wird dem AKW-Mitarbeiter eine verlogen klingende Beschwichtigung in den Mund gelegt. Denn wenn man sich nicht sicher ist, es mit Argumenten zu schaffen, argumentiert man eben ad hominem.
In diesem Sinne steigert sich das Comic dann auch noch in plumpeste und natürlich nebenbei noch antikapitalistische Propaganda eines Niveaus, das ich für den gebildeten Teil der Welt überwunden glaubte.
In einem Hinterzimmer des AKWs, in das die tapferen Öko-Kinder hineinlauschen, wird das Zerrbild eines Menschen (immerhin ohne “jüdische” Hakennase) gezeigt – der fette, böse Kapitalist. Er paktiert dort mit einem Militär. Der eine will “Profite” machen (pfui, wie böse!), der andere will “Atombomben” für seine (martialisch und angsteinflößend mit Gasmaske abgebildeten) Soldaten.
Und es wird noch abstruser: Die Kinderchen finden dann auch noch einen (natürlich lieb professorenhaft aussehenden) Wissenschaftler, der von den bösen AKW-Betreibern in einem schaurigen Verlies gefangen gehalten wird, weil er vor der angeblichen Unbeherrschbarkeit der Atomkraft warnen wollte.
Mal ehrlich: Wenn das das Niveau ist, auf dem Greenpeace zu überzeugen gedenkt, hält man entweder die Kinder als Zielgruppe für blöd oder die eigenen Argumente für nicht überzeugend.
Es könnte aber auch sein, dass man die ständig beschworenen und dummerweise ausbleibenden nuklearen Katastrophen durch gruselig bebilderte Schauermärchen wett zu machen versucht.
Verfasst von Boche um 16:46 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)
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