Grünfried 1, zweiter Teil oder: Kinder passt auf, der Grünfried geht um!

Den zweiten Teil meiner Grünfried-Rezension (wie auch alle zukünftigen Beiträge zum Greenpeace-Magazin) möchte ich etwas knapper halten. Zu umfangreicher Kritik eines ganzen Magazins fehlt mir einfach die Zeit, wie ich bei der ersten Rezension gemerkt habe.

Ich werde mich deshalb auf die absoluten Knaller unter den Greenpeace-Beiträgen beschränken. Zu diesen Knallern im Heft 2.06 gehört meiner Meinung nach auf jeden Fall das beiliegende Kinder-Propaganda-Comic.

Auf unglaublich plumpe Weise wird dort die Öko-Botschaft von der bösen Kernkraft dargestellt.

Das kluge Öko-Kind fragt bei einem Besuch eines AKW ganz schein-naiv, ob denn die Leitungen, an denen es vorbeikommt, explodieren könnten.

Natürlich lautet die Antwort nicht:
“Selbstverständlich können diese Leitungen explodieren. Genauso, wie dich morgen ein Auto überfahren, übermorgen ein noch unbekannter Virus dahinraffen und dir nächste Woche ein Asteroid auf den Kopf fallen kann. Der einzige Unterschied: Die Leitungen können wir hier kontrollieren und gegen Explosion schützen. Und wir können viel tun, dass eine explodierte Leitung keine allzu schlimmen Folgen hat.”

Natürlich wird dem AKW-Mitarbeiter eine verlogen klingende Beschwichtigung in den Mund gelegt. Denn wenn man sich nicht sicher ist, es mit Argumenten zu schaffen, argumentiert man eben ad hominem.

In diesem Sinne steigert sich das Comic dann auch noch in plumpeste und natürlich nebenbei noch antikapitalistische Propaganda eines Niveaus, das ich für den gebildeten Teil der Welt überwunden glaubte.
In einem Hinterzimmer des AKWs, in das die tapferen Öko-Kinder hineinlauschen, wird das Zerrbild eines Menschen (immerhin ohne “jüdische” Hakennase) gezeigt – der fette, böse Kapitalist. Er paktiert dort mit einem Militär. Der eine will “Profite” machen (pfui, wie böse!), der andere will “Atombomben” für seine (martialisch und angsteinflößend mit Gasmaske abgebildeten) Soldaten.
Und es wird noch abstruser: Die Kinderchen finden dann auch noch einen (natürlich lieb professorenhaft aussehenden) Wissenschaftler, der von den bösen AKW-Betreibern in einem schaurigen Verlies gefangen gehalten wird, weil er vor der angeblichen Unbeherrschbarkeit der Atomkraft warnen wollte.

Mal ehrlich: Wenn das das Niveau ist, auf dem Greenpeace zu überzeugen gedenkt, hält man entweder die Kinder als Zielgruppe für blöd oder die eigenen Argumente für nicht überzeugend.
Es könnte aber auch sein, dass man die ständig beschworenen und dummerweise ausbleibenden nuklearen Katastrophen durch gruselig bebilderte Schauermärchen wett zu machen versucht.

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11 Kommentare zu “Grünfried 1, zweiter Teil oder: Kinder passt auf, der Grünfried geht um!”

  1. 8.05.2006 | 18:47

    NaJa, wenn auf die Art und Weise versucht wird, Kinder zu beeinflussen, dann bin ich ja beruhigt: Wenn diese Kinder älter werden, dann werden sie selber merken, was hier für eine Stumpfsinnpropaganda getrieben wurde.

  2. R. A.
    8.05.2006 | 19:13

    > Wenn diese Kinder älter werden, dann
    > werden sie selber merken, was hier für
    > eine Stumpfsinnpropaganda getrieben wurde.
    Da bin ich pessimistischer.

    Die Kinder merken sich doch nicht die Details – bis sie den Stumpfsinn beurteilen könnten, ist der konkrete Comic vergessen.

    Aber die zentrale Botschaft ist durchaus noch da, und wird ja regelmäßig verstärkt durch ähnliche (wenn auch selten so krasse) Darstellungen in Medien und Schulbüchern.

  3. 8.05.2006 | 23:15

    Köstlich…nächstes Mal lasse ich mir Prospekte geben, wenn ich am Bahnhof an diversen Öko-, Umwelt- oder Tierschutzgruppen vorbeikomme.

    Ich sehe da immer Ähnlichkeiten zu Religion oder Tendenzen in Richtung Ideologie.

  4. 11.05.2006 | 16:02

    Ich sehe vor meinen geistigen Auge bereits eine Ökozeitschrift für Kinder aus der Feder von Rayson,Boche,Statler,Stefanolix (usw.):

    Blitzblanke Atomkraftwerke (mit spielenden Kindern im Vordergrund), Dieselautos ohne Staubfilter (mit Kindern, die sagen: “das riecht aber lecker”) und jede Menge Kampfrhetorik gegen Ökogemüse und alles, was irgendwie Öko oder “links” ist.

    Sozusagen das überfällige Gegengewicht zu Greenpeace.

    So, und jetzt mal am Rande, und bitte, nur unter uns: Ich persönlich mag Greenpeace überhaupt nicht. Aber ich muss ja ihre Zeitschrift nicht kaufen, niemand wird dazu gezwungen.

    Wenn man bei Greenpeace aber etwas Positives finden will, dann sind das die Informationen von Greenpeace zu umweltpolitischen Themen. Mitunter liegt Greenpeace satt daneben, aber oft findet sich auch mal eine Information, die es woanders nicht gibt. Das ist bei diesem Verein (den ich nicht mag) ein Pluspunkt.

    Greenpeace hat weder sonderlich viel Macht, noch verbrät Greenpeace fremdes Geld

    Und auch, wenn ich Greenpeace nicht sonderlich mag, diese Organisation stellt alles in allem ein nützliches Gegengewicht dar.

    Also ist der Verein völlig harmlos. Finde ich.

  5. Boche
    11.05.2006 | 16:23

    Ich sehe vor meinen geistigen Auge…

    Das ist natürlich ein Ersatz für das Lesen dessen, was Schwarz auf Weiß vor dir steht.

    Also ist der Verein völlig harmlos.

    Ich weiß auch nicht, wie ich dazu kam, den Verein als gemeingefährlich zu brandmarken. Wobei: Habe ich das eigentlich getan? Oder fand auch das nur vor dem geistigen Auge eines eigenartig erregten Kommentatoren statt?

  6. 11.05.2006 | 17:31

    Dr. Dean: Um Ihren Schwarz/Weiß-Kästchen zu entspringen, einige ganz kurze Sätze zu meiner Person:

    - ich lebe mit ÖPNV-Jahreskarte, Fahrrad und ohne eigenen PKW in einer Großstadt;
    - habe beruflich intensiv mit Computern, Programmierung etc. zu tun;
    - lehne aber Fastfood & Pizza ab, kaufe vielmehr sehr gern ökologisch erzeugtes und direkt vermarktetes Gemüse;
    - halte sichere Atomkraftwerke als einen Teil des Energiemixes mindestens während der nächsten 20 Jahre für sinnvoll;
    - bin für Forschung, die uns aus der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern führt und für technisch umsetzbare Lösungen;
    - finde die oben beschriebene Öko-Propaganda abstoßend.

    Mit einem Wort: der typische Rechtsliberale, Neoliberale, Neocon, Neoconazi oder noch schlimmeres ;-)
    /zu sich selbst/: Was man nicht alles tut, um Feindbildern gerecht zu werden …

  7. 12.05.2006 | 0:48

    Naja, ein wenig Greenpeace-Feindlichkeit gehört ja nun wirklich zum rechtliberalen Konsens, oder? Öko-Abweichler haben es bei euch vielleicht nun etwas leichter, aber bei gesinnungsicheren Rechtsliberalen geht das nicht.

    Da muss alles, was Öko oder Greenpeace ist, verlacht werden.

    Oder kennt ihr in der deutschen Blgosphäre einen Neocon-Wirtschaftsliberalen mit Ökoschwerpunkt?

    Hmm. Vielleicht, Miersch, oder wie der heißt. Sein Pro-Monsanto-Tripp macht ihn aber schon verdächtig bzw. lässt ihn wie einen typischen Vertreter seiner Richtung aussehen. Und sein “Lexikon der Ökoirrtümer” ist doch auch nur ein Aufguss nach bewährter rechtsliberaler Art, bei dem der “Ökologismus” als perverse Religion von Klein- und Wohlstandsbürgern darstellt wird.

    Nicht, dass das diese Sichtweise völlig falsch wäre (ich teile sie etwa zur Hälfte), aber eine derartige Haltung ist genuin rechtsliberal, in dieser Konsequenz zumal, oder?

    Der mustergültige Rechtsliberale ist linientreu anti-ökologisch bzw. glaubt daran, dass “der” Markt die meisten relevanten Probleme von allein löse.

  8. 12.05.2006 | 1:11

    Sie fabulieren sich da ein Bild von uns zusammen, das schon bald wieder lustig ist ;-)

    Ich will nur für mich persönlich sprechen: ich richte mein Urteil vorwiegend nach den Inhalten. Und wenn Greenpeace, Foodwatch oder andere Organisationen mal etwas Vernünftiges sagen — warum sollte ich dann dagegen sein? Eine wissenschaftlich fundierte Kritik am Zustand unserer Gewässer oder die Empfehlung nachhaltig erzeugter Nahrungsmittel würde ich auch unterschreiben, wenn sie von Greenpeace kommen.

    Der “Markt” nimmt ökologisch erzeugte Lebensmittel doch momentan so gut an, dass schon strengere Kriterien und Abgrenzungen notwendig werden. Ich denke, da ist einiges in Bewegung und zwar nicht “gegen den Markt”, sondern im Rahmen des Marktes.

    Die Verteufelung der [vernünftigen, sicheren] Kernenergieanwendung in den westlichen Industriestaaten habe ich nie verstanden. Die Katastrophe von 1986 (übrigens am Tag meiner Abitur-Physikprüfung) ist doch auf die /Missachtung/ aller bekannten Sicherheitsregeln zurückzuführen. Würde jemand ein Chemiewerk auf diese Weise betreiben, käme es auch zu einer Katastrophe. Niemand würde aber ernsthaft fordern, deshalb die ganze Chemie-Industrie lahmzulegen.

  9. Boche
    12.05.2006 | 9:43

    Der mustergültige Rechtsliberale ist linientreu

    Schön, dass die Sprache es immer mal wieder ans Licht bringt und in Fremdbeschreibungen mehr vom eigenen Wesen verrät, als mancher sich wünschen mag.

  10. 31.05.2006 | 19:10

    Klimakonsens…

    Der Klimakonsens ist die vielbeschworene Formel, wenn es darum geht, den sog. menschgemachten Treibhauseffekt als das zu entlarven, was er wirklich ist: Als Humbug. Angeblich seien alle namhaften Wissenschaftler von dem durch Menschen verursachten Klim…

  11. 9.08.2006 | 0:30

    [...] Besonders verwerflich finde ich Propaganda, die sich an Kinder richtet – ob nun auf nationaler Ebene von Regierungsseite (siehe “Kanzlerin für Kinder“) oder von Seiten einer international tätigen Nichtregierungsorganisation (siehe “Kinder passt auf, der Grünfried geht um!“). [...]

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