8. Mai 2006
Enttäuschte Vorurteile
Claus Christian ist enttäuscht.
Das Feindbild des anständigen Deutschen verhält sich anders, als man es sich wünscht, wenn man knallige Überschriften zu produzieren hat.
In einem Gespräch mit Deutschlands Tiefpunkt des politischen Interviews hatte es G.W.Bush gewagt anders zu antworten, als es der, sich gebildet gebende, deutsche Ami-Hasser erwartet.
Denn was muss er da lesen?
Als Reaktion auf die nuklearen Bewaffnungspläne des Iran möchte man von einem üblen Burschen wie Bush doch wüste Kriegsdrohungen hören, oder? Was ist stattdessen seine (für sich unvoreingenommen informierende Menschen aber auch schon länger so nachzulesende) Antwort: Diplomatie.
Pff! Da lacht der Herr Malzahn und seine deutsche Spießbürgergemeinde hämisch! Der Bush kanns wohl nicht mehr, was?!
Und überhaupt: Wo bleibt die Draufgängerei, die der deutsche Spießer in seinem simplen Weltbild doch erwarten darf?
Manchmal wirkt er fast altersweise: “Es gibt nicht für jedes Problem sofort eine Lösung in der Welt. So funktioniert das nicht.” Ist das noch Bush, der Mann, den sie in Old Europe für einen Cowboy gehalten haben?
Ja, ist er das noch?
Die nächst naheliegende, aber wohl etwas unbequemere Frage stellt sich Malzahns Claus Christian allerdings nicht: War er es je?
Zum Thema Irak und Guantanamo ergeht sich Malzahn in den üblichen Phrasen und in bekannter, fast genüsslicher Schwarzmalerei. Letzterer sieht man den Wunsch an, die Katastrophe möge über die Iraker möglichst medienwirksam hereinbrechen – nur damit man zum Schluss Recht behalten hat.
Letztlich hat es Malzahn dann aber doch noch geschafft, das Résumé und die knallige Überschrift zu finden, die seiner schwarz-weiß gefärbten Denkfäule würdig sind:
Wenn ein Feind sich nicht wie ein Feind verhält, kann es sich nur um einen Schwächling handeln.
Verfasst von Boche um 11:33 Uhr in der Kategorie International, Politik, Presse / SPON- und taz-Blog (Trackback)
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