Schuluniformen? Unsinn!

Es gibt Parteifreundinnen, die treiben mich noch zum Wahnsinn. Die Bundesjustizministerin tut in dieser Hinsicht wirklich, was sie kann. Nachdem sie im Bereich der Softwarepatente ihren eigenen (ohnedies gegen Null gehenden) Diskussionsbedarf gedeckt sieht, macht sie ein neues Fass auf:

Manche Menschen verbänden mit dem muslimischem Glauben Terrorismus, sagte die SPD-Politikerin der “Welt am Sonntag”.

Daraus entstünden Ressentiments und Debatten, etwa darüber, ob muslimische Mädchen verschleiert zur Schule kommen dürften oder nicht. Eine einheitliche Schulkleidung sei hier die Lösung. “Damit beseitigen wir nicht nur die Burkas, sondern auch Probleme, die sich durch soziale Unterschieden ergeben.”

Eigentlich habe ich ja was anderes zu tun, als heute zu bloggen; das schöne Wetter genießen, zum Beispiel. Aber diese Ansicht von Frau Zypries ist so grottenfalsch, dass ich mich hier doch eben erleichtern muss:

1. Zur Lösung muslimischer Bekleidungsvorschriften (egal, ob nun im Koran erwähnt [Kopfbedeckung] oder nicht erwähnt [Burka]) wäre eine Schuluniform nur dann geeignet, wenn der Staat die größtmögliche Verhüllung anordnen würde, also Burka o.ä. Denn Eltern oder Schülerinnen, die diese Bekleidungsvorschriften für sich als bindend erachten, werden sich auch einer allgemeinen Schuluniformspflicht nicht beugen, sondern vors Verwaltungsgericht ziehen und notfalls auf einen Schulbesuch in Deutschland ganz verzichten.

2. Die “sozialen Unterschiede” innerhalb der Schülerschaft kommen nicht nur in der Kleidung, sondern auch in allen sonstigen Accessoires zum Ausdruck, die Schülerinnen und Schülern zur Verfügung stehen, angefangen vom Handy (ach so, das soll ja auch verboten werden) über die Schultasche bis hin zu der Art und Weise, wie die Schülerinnen und Schüler zur Schule morgens zur Schule kommen. Selbst, wenn es so sein sollte, dass vermehrt Straftaten im Zusammenhang mit Kleidung oder Schuhen an Schulen auftreten, wird eine Schuluniformspflicht nur dazu führen, dass sich die Betonung und Zurschaustellung von Einkommensunterschieden auf die o.a. Bereiche verlagern. Zudem führt eine optische Gleichmacherei nicht zum Verschwinden der sozialen Unterschiede, ja noch nichtmal zu einer Verringerung derselben.

3. Zur Erreichung der von Frau Zypries angegebenen Ziele wären zwingend erforderlich:

a.) eine bundeseinheitliche Regelung
b.) ein vollständiger Konsens aller am Schulbetrieb Beteiligten
c.) eine komplette Übernahme des Einkaufs und der Verteilung der Schuluniformen durch den Staat

Spätestens hier dürfte sich diese Idee erledigt haben. Ich will aber eben noch meine Erfahrungen mit der Schuluniform schildern, die ich in Nanning gemacht habe:

Kurz gesagt: Es hat sich keiner drum geschert. Es gab zwar zwei Arten von Einheitskleidung (eine Art taubenblaues Sweat-Shirt und ein landesweit üblicher blau-weiß-roter Trainingsanzug), aber ob und wie diese getragen wurde, wurde nicht kontrolliert und die reiche(re)n Schülerinnen und Schüler haben trotzdem ihre Markenklamotten getragen (die selbst als Fälschung für normale Chinesen kaum bezahlbar sind).

Was man noch alles verbieten/regulieren/einschränken müsste, um soziale Ungleichheit zu kaschieren, davon gibt dieser Blogeintrag einen Einblick, wie überhaupt Schuluniformen ein ganz heißes Thema in den Blogs mit Asienbezug ist. Komischerweise geht’s da fast immer nur um die weibliche Variante der Schuluniform…

Vor vielen Monaten bin ich mal über einen Eintrag gestolpert, der sich mit einem Wettbewerb in Bezug auf die Rocklänge der Schuluniformen in Japan beschäftigte; den Link finde ich zwar im Moment nicht wieder, aber ihr könnt den hier als Ersatz nehmen.

Wenn wir dann Schuluniformen haben, können wir ja aus Japan auch gleich noch ENJO KOSAI übernehmen…

Nee, also wirklich: Das Sommerloch scheint sich noch schneller auszubreiten als das Ozonloch; früher tauchten die Schnapsideen doch immer erst zum Beginn der Sommerferien in den Gazetten auf, oder täusche ich mich da? Und wir haben grad mal Anfang Mai!

Wie auch immer: Ich geh’ jetzt erstmal in die Sonne. Sollte Frau Zypries auch öfter tun, finde ich. Sonne wirkt manchmal Wunder.

Wenn jemand in anderen Ländern bessere Erfahrungen gemacht hat oder sowieso anderer Meinung ist, dann freue ich mich auf entsprechende Kommentare.      

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27 Kommentare zu “Schuluniformen? Unsinn!”

  1. 6.05.2006 | 17:04

    Das mit der Sonne für Frau Zypries ist keine gute Idee. Meiner Meinung nach hat sie da schon zu lange drin gelegen, sonst wäre ihr nicht dieser Vorschlag “rausgerutscht”.

    Anosnten wäre ich auch für eine Bundestagsuniform für Politiker: Diese modischen weißen Jacken mit den Ärmeln in Überlänge.

  2. 6.05.2006 | 19:53

    Nein keine weissen Jacken mit langen Ärmeln, sondern die graubraunen Mäntel mit der roten Binde!

  3. 7.05.2006 | 1:27

    [...] *Fixmbr zu Zyps’ Urheberrechtsstuß. *Dobschat zum selben Thema. *Bissige Liberale zum Schuluniformschlamassel. [...]

  4. 7.05.2006 | 9:41

    So wenig ich Frau Zypries schätze – die Idee der Schuluniform finde ich ausgesprochen gut und die Gegenargumente leuchten mir nicht ein: Der bundeseinheitliche Konsenz muss keineswegs da sein. Selbst wenn nur einzelne Städte oder sogar nur Schulen eine einheitliche Kleidung einführen, ist in diesem Bereich ein Fortschritt erzielt. Das mögen dann viele kleine Schritte sein, aber kein Argument, sie überhaupt nicht einzuführen.

    Wie in einer demokratischen Gesellschaft üblich (und manchmal ist das ja durchaus bedauerlich) muss kein vollständiger Konsens aller Beteiligten erzielt werden. Es genügt, dass eine Mehrheit dies möchte. Wenn eine Schule die dritte Fremdsprache zum Pflichtunterricht macht, geht das ja auch, selbst wenn ein Teil der Eltern und Schüler der Meinung wäre, as würde sie überfordern.

    Und: Warum sollten die Kosten nicht von den Eltern getragen werden? Mir fällt kein Grund ein.

    Zum positiven Effekt von Uniformierungen: Ich habe nie Schuluniform tragen müssen (kenne aber positive Berichte von einer Freundin aus dem UK, die nicht den japanischen Berichten entsprechen), aber sowohl beim Bund als auch schon vorher als Mitglied eines Chores hab ich erlebt, dass die genannten Vorteile von Frau Zypries durchaus stimmen: Ein Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht und soziale / politische /religiöse Unterschiede treten eindeutig in den Hintergrund. Für gemeinsames Lernen ist das m.E. unbedingt von Vorteil!

  5. 7.05.2006 | 11:32

    Joachim,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Abgesehen von meinen beiden liberalen Stammkritikern komme ich mir hier schon manchmal einsam vor, weil mir kaum jemand widerspricht ;-) .

    Ich habe auf eine Begründung meiner Einwände a.)-c.) nicht deshalb verzichtet, weil ich sie für offensichtlich halte, sondern weil ich den Eintrag möglichst kurz halten und Kommentare wie Deinen provozieren wollte.

    Ich greife mal drei Punkte heraus, aus denen sich ergeben soll, warum ich Deine Auffassung für nicht ganz zutreffend halte:

    Vergleich mit anderen Ländern

    Ich gebe zu, dass es durchaus polemisch war, den Fokus ausschliesslich auf Japan zu richten. Ein Vergleich mit den asiatischen Ländern, in denen es Schuluniformen gibt (Japan, Südkorea, China…) ist schon deshalb schwierig, weil in diesen Ländern, vor allem aufgrund der konfuzianisch geprägten Kultur, die Einstellung zu sozialer Ungleichheit eine andere ist als bei uns: bis zu einem gewissen Grad wird dort soziale Ungleichheit hingenommen bzw. sogar als Ansporn angesehen, diese von sich aus, durch eigene Leistung, zu vermindern (für einen normalen Deutschen eine Horrorvorstellung).

    Bleibt noch der Vergleich mit den USA, Großbritannien, Australien usw. Und da meine ich, dass es einfach einen Riesenunterschied macht, ob eine so einschneidende Regelung wie Schuluniformzwang schon seit Jahrzehnten gibt – oder ob sie in einer so ausdifferenzierten Gesellschaft wie Deutschland neu eingeführt wird. Es gibt in Großbritannien bestimmt eine ganze Reihe Lehrer und Lehrerinnen, die die Schuluniform ätzend finden, die aber keine Lust haben, sich michaelkohlhaasig gegen diese Tradition zu stemmen. In Deutschland hingegen werden diese Lehrer und Lehrerinnen sich mit Händen und Füßen gegen die Einführung von Schuluniformen wehren. Sollten sie trotzdem eingeführt werden, werden diese Lehrer sich dann nicht gerade enthusiastisch an der Durchsetzung des Uniformzwangs beteiligen. Und ein Zwang, der nicht durchgesetzt wird, ist komplett sinnlos.

    Finanzierung

    Deiner Meinung nach sollen die Eltern für die Kosten der Schuluniformen aufkommen. Ich weiß nicht, wo die Eltern in anderen Ländern das Geld dafür hernehmen, aber ich kann mir lebhaft vorstellen, wie das dann bei uns laufen wird. Die Eltern, die es sich leisten können, tragen die Kosten selbst. Und die Eltern, die es sich nicht leisten können? Übernimmt dann das Sozialamt die Kosten? Da werden sich die Kommunen aber freuen. Und wenn die Uniform eines sozialhilfeberechtigten Schülers kaputt geht, was dann? Selbst im günstigsten Fall wird es mehrere Wochen dauern, bis die Uniform repapriert ist oder das Geld für eine neue bewilligt wurde – soll der Schüler so lange in der kaputten Uniform zur Schule gehen? (Ach so, er hat eine Ersatzuniform. Na, da werden sich die Kommunen aber doppelt freuen, dass sie auch noch Leistungen für Ersatzuniformen bereit stellen sollen.)

    Ein weiteres Problem ist die Qualität der Uniformen. Entweder, man erlaubt den Eltern, die die Kosten selbst tragen, auch für die Anschaffung der Uniformen Sorge zu tragen. Dann gibt es bestimmte Anforderungen, die erfüllt sein müssen, es steht den Eltern aber frei, ob sie die Uniform maßschneidern lassen oder eine Uniform von [gewünschten hochpreisigen Markennamen hier einfügen] oder [gewünschten Billigheimer hier einfügen] anschaffen. Und dadurch, dass dann der eine Schüler in der Schnäppchen-Uniform vom P-Markt und die andere Schülerin in einem maßgeschneiderten Edelteil, das mehr gekostet hat als die Uniformen all ihrer Mitschüler zusammen, in die Schule kommt, sollen dann die sozialen Unterschiede unsichtbar gemacht werden? Also bitte.

    Oder man macht es wie mit den Lernmitteln. Bei Schulbüchern geht das ja noch schlecht und recht: die Bücher sehen alle gleich aus, sind aus dem gleichen Material und kosten dasselbe. Dies auf Kleidung zu übertragen ist schon erheblich schwieriger. De facto gibt es im Schulbuch-Segment Monopole von wenigen Verlagen, jedenfalls für bestimmte Bücher. Soll ein solches Monopol jetzt auch noch für einen Textilhersteller etabliert werden?

    Bundeseinheitliche Regelung

    Wenn das Thema nicht bundeseinheitlich geregelt wird, dann würde ein Schuluniformzwang vor allem eines bewirken: Desintegration bzw. Segregation. Nehmen wir an, Wiesbaden führt für seine Gymnasien einen Schuluniformzwang ein. Wie wahrscheinlich ist es, dass dann das Wiesbadener Sozialamt eine Kostenübernahme einfach so durchwinkt? Die Stadtkämmerer sind ja nicht auf den Kopf gefallen, insbesondere dann nicht, wenn es darum geht, Kostenübernahmen zu verweigern. Und der Sachbearbeiter “an der Front” wird sicher auf etwas verweisen, was man im Asylrecht “inländische Fluchtalternative” nennt: “Wenn sie sich die Schuluniform in Wiesbaden nicht leisten können, dann ziehen sie doch nach Darmstadt oder Mannheim um!” (Dass ein solcher Ratschlag keine rechtliche Relevanz hat, wird des Sachbearbeiter nicht großartig kümmern.)

    Außerdem ist Frau Zypries nunmal Bundesjustizministerin; es kann also davon ausgegangen werden, dass sie das “Problem” bundeseinheitlich “lösen” will.

    Und was die Kopfbedeckung angeht: Soll ich mal raten, welche vier Bundesländer lieber heute als morgen eine Schuluniform einführen würden, um gleich das Kopftuch/Burka-Problem mit loszuwerden? Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder, die Verwaltungsgerichte entscheiden, dass ein mit dem Schuluniformzwang begründetes Kopftuchverbot unverhältnismäßig und eine sich an die übrige Uniform farblich anpassende Kopfbedeckung zuzulassen ist – dann werden die Burka-Trägerinnen in ein anderes Bundesland umziehen, während die Kopftuchträgerinnen bleiben. Oder der Uniformzwang wird verwaltungsgerichtlich durchgewunken – dann ziehen sowohl Burka- als auch Kopftuchträgerinnen um.

    Und das Ergebnis wird sein, dass sich bald alle Burka- und Kopftuchträgerinnen in Bremen und Berlin einfinden.

    So, das waren jetzt nur die fundamentalen Bedenken, die mir gestern innerhalb von zehn Minuten eingefallen sind; die Aufzählung ist also nicht abschließend.

    Und jetzt kommst Du.

  6. I.Bauer
    7.05.2006 | 13:01

    Daß ausgerechnet die Justizministerin auf die Idee kommt, man könne das Kopftuch,- bzw. Burkaproblem sozusagen “hintenrum” durch Einführung eines Schuluniformzwanges lösen, verwundert mich schon.

    Ob man nämlich Kopftücher bzw. Burkas bei Schülerinnen nun “einfach so” verbietet oder sozusagen indirekt über die Anordnung einer Schuluniform macht rechtlich m.E. überhaupt keinen Unterschied: In beiden Fällen wird eine Kleidervorschrift gegen die grundgesetzlich verbürgte Religionsfreiheit abzuwägen sein, letztlich wahrscheinlich vor den Verfassungsgerichten.

    Wer aber nun verfolgt hat, wie mutlos das Bundesverfassungsgericht schon in der Frage des Kopftuchverbotes für Lehrerinnen (die zum Staat ja immerhin in einem viel engeren Verhältnis stehen als Schülerinnen)rumgeeiert ist, der kann für diese Entscheidung nur schwarz sehen.

    Die sonstigen Argumente für einen Schuluniformzwang halte ich für wenig überzeugend. Wieso soll es eigentlich erstrebenswert sein soziale Unterschiede durch eine Uniform unsichtbar zu machen? Zweifelhaft auch, ob das überhaupt geht. Oder soll den Schülern dann auch verboten werden, Markenuhren, teure Handys etc. mitzubringen oder gar einfach nur zu erzählen, was die Eltern so verdienen?

    M.a.W.: Ich halte die Uniformidee für ausgemachten Unfug.

  7. 7.05.2006 | 13:35

    Ob man nämlich Kopftücher bzw. Burkas bei Schülerinnen nun “einfach so” verbietet oder sozusagen indirekt über die Anordnung einer Schuluniform macht rechtlich m.E. überhaupt keinen Unterschied: In beiden Fällen wird eine Kleidervorschrift gegen die grundgesetzlich verbürgte Religionsfreiheit abzuwägen sein, letztlich wahrscheinlich vor den Verfassungsgerichten.

    Das sehe ich auch so. Da von dem Schuluniformzwang wohl nur Schülerinnen und vom Kopftuchverbot – nach jetziger Lage – nur Lehrerinnen bzw. Referendarinnen betroffen sind, würde ein Schuluniformzwang nur die Anzahl der Verfahren erhöhen – das rechtliche Kernproblem bleibt das gleiche. Und dem argumentum a minore ad maius in Bezug auf das Bundesverfassungsgericht schließe ich mich auch.

  8. 7.05.2006 | 13:58

    Ich erinnere an die Kleidung, die die Kommunionkinder auf einmal tragen mussten, damit das Wettrennen um die schönste, die glorreichste Tracht zum Fest endlich beendet wurde. Das ist bei uns beispielsweise heute noch so. Ich weiß nicht, ob das deshalb eingeführt wurde, um dem erwähnten Wettlauf der Eitelkeiten zu entrinnen oder weil vielleicht die katholische Kirche das aus Gründen der “Einheitlichkeit” so wollte. Persönlich bin ich gegen Kleidervorschriften – generell. Bei der Burka habe ich allerdings eine Ausnahme gemacht, weil ich den demonstrativen Charakter dahinter sah.

    Ich finde, man sollte die gesellschaftlichen Probleme, die man auf die Art “lösen” möchte, besser vom Kern her angehen. Es sind doch nicht irgendwelche Symbole (Kruzifixe, Kopftücher, Burkas), die uns beschweren. Es sind die Ansichten und Überzeugungen, die dahinterliegen. Damit sollten wir uns auseinander setzen und zwar ausschließlich.

  9. 7.05.2006 | 15:22

    Meine Meinung dazu hat drei Teile:

    1. Die Bundesjustizministerin geht das einen feuchten Kehricht an.
    2. Schuluniformen tragen nichts dazu bei, die Versuche zu verhindern, mit denen Islamisten Terrain besetzen wollen (sehe ich wie apollon).
    3. Wenn eine Schule Schuluniformen einführen will, soll sie das tun dürfen. Voraussetzung: Die Schulen bekommen generell mehr Autonomie als heute.

    Anmerkung zu 3.: Als Freund einer Hauptschullehrerin vertraue ich der pädagogischen Expertise meiner Liebsten, wonach bestimmte “Outfits” von Mädchen und Jungen (vielleicht sogar auch Lehrern…) sich nicht gerade förderlich auf den ohnehin mühsam genug zu erringenden Bildungserfolg auswirken.

  10. 7.05.2006 | 16:09

    Auch Dir, Marian Wirth, vielen Dank für die ausführliche Antwort. Darüber freut man sich ja auch als Kommentator. ;-)

    Vorweg: Ich glaube nicht, dass die Schuluniform ein Allheilmittel gegen alle sozialen und religiösen Problme ist. Wenn es nur um das Verbot von Burkas geht, gibt es wohl tatsächlich nicht viele Gründe, eine Schuluniform einzuführen.

    Der Vorteil der Schuluniform ist nicht, dass dann keine Burka mehr getragen wird (das mag ein Nebeneffekt sein), der Vorteil ist, dass Schuluniformen das Zusammengehörigkeitsgefühl fördern. Das zieht viele positive Effekte nach sich. Angefangen vom Zusammenleben und -arbeiten an der Schule, bis hin zu Verbundenheit mit der Schule über die Schulzeit hinaus (gerade letzteres sieht man auch gut in angelsächsischen Ländern).

    Aber zu Deinen Punkten im Einzelnen: Ich vermute auch, dass es Widerstände gegen Schuluniformen geben wird. Doch würde ich das nicht als Folge einer stark ausdifferenzierten Gesellschaft sehen, sondern eher darin begründet, dass in Deutschland Uniformierung noch immer mit geistiger Gleichschaltung gleichgesetzt wird.

    Dass das nicht stimmt, könnte man ja auch gerade durch Schuluniformen zeigen. Bis dahin müsste man auf die Einsicht der Lehrer hoffen, dass sie Regelungen auch dann durchsetzen, wenn sie sie nicht für richtig halten.

    Natürlich geht das aber nur, wenn eine Mehrheit die Schuluniform will – und damit wäre ich bei der bundeseinheitlichen Regelung: Es spricht m.E. nicht viel gegen eine bundeseinheitliche Regelung, aber auch regionale Unterschiede wären nicht schlimm, da ich die Hauptsorge, dass die Finanzierung nicht (bzw. nur schwer) leistbar wäre, nicht teile.

    Schuluniformen müssen natürlich uni-form sein. D.h. eine billige und eine teure Variante kann es nicht geben. Ich glaube trotzdem, dass sich die meisten Familien eine Schuluniform leisten können – es geht hier nicht um ein absurdes Luxusgut, sondern um Kleidung. Die, die es aber nicht können, müssen die Schuluniform bezuschusst bekommen. Das kann zum Teil durch das Sozialamt geschehen, das kann (und m.E. ist das die bessere Lösung) aber auch durch Fördervereine der Schule, Spenden o.ä. geschehen.

    Natürlich kann man an Accessoires weiterhin soziale Unterschiede erkennen. Das wird als Problem aber überschätzt. Wie ich schon im ersten Kommentar geschrieben habe, habe ich zweimal in meinem Leben Uniformenzwang erlebt: Beim Bund und als Sänger in einem Knabenchor. Beide Gruppierungen setzten sich aus vollkommen unterschiedlichen Schichten zusammen (auch der Chor, da die Sänger aus allen Grundschulen ausgesucht wurden). Und beide Male hab ich das Gleiche erlebt: Auch wenn der eine nur eine 5-Euro-Automaten-Uhr hatte und der zweite an seiner TAG-Heuer rumspielen konnte: Die gemeinsame Kleidung verband und ließ einen unbefangen miteinander umgehen.

    Vielleicht noch einmal an der Bundeswehr verdeutlicht, worin ich den Vorteil der Uniformen sehe und was eine Schuluniform nicht bringen wird: In meiner 16-Mann Stube waren wir zwei Abiturienten, ale anderen 14 waren Hauptschüler. Zwei von ihnen hatten während ihrer Dienstzeit Verfahren wegen mehrfachen Diebstahls laufen. Die sozialen Unterschiede waren immer klar. Es geht ja auch nicht um eine sozialistische Gleichheit. Und dennoch: So lange wir uniformiert waren, waren wir auch eine Gruppe, die sich zusammengehörig fühlte.

    An den Schulen löst das bestimmt nicht die Erzihungs- oder Integrationsprobleme. Aber es würde m.E. viele Probleme verringern können.

  11. I.Bauer
    7.05.2006 | 16:13

    Das ist natürlich ein weiterer Punkt: Das BMJ ist unzuständig. Schulpolitik ist und bleibt Ländersache. Umso eigenartiger dieses dumme Gerede von Frau Zypris.

    Die Voraussetzung für eine diesbezügliche Wahlfreiheit jeder einzelnen Schule wäre wohl zunächst und zuallererst, das den Eltern auch hinsichtlich von Grund,- und Hauptschulen freigestellt wäre, auf welche konkrete Schule sie ihr Kind schicken. Dem ist nämlich bisher jedenfalls nicht in allen Bundesländern so. Teilweise richtet sich die “Zuständigkeit” einer bestimmten Grund,- bzw. Hauptschule nach dem Wohnsitz der Eltern. Dann kann man sein Kind gar nicht einfach woanders hinschicken.

  12. 7.05.2006 | 16:14

    Ähm eins noch: Zunächst, entschuldigt, dass der vorige Kommentar so lang wurde.

    Und zu Rayson: Stimmt, Frau Zypries, geht das zumindest in ihrer Funktion als Bundesjustizministerin einen feuchten Kehricht an!

  13. 7.05.2006 | 19:29

    Besonders absurd fand ich den aktuellen Anlass für die Schuluniform-Diskusson: Nämlich als Burka-Verbot.

    Man muss doch die Freiheit der individuellen Kleidung (anstelle einer Uniformierung) nicht aufgeben, um damit eine für den Schulalltag untaugliche Uniform zu verbieten.

    Im Übrigen habe ich überhaupt nichts dagegen, wenn sich Frauen in freier Entscheidung für eine Burka entscheiden: Außerhalb von Schulen und in freier Entscheidung.

  14. 7.05.2006 | 19:36

    Ist das nicht ulkig: Um eine Uniform (Burka) abzuwehren, soll ein Uniformzwang (Schuluniform) eingeführt werden.

    Typisch für Sozialdemokraten, typisch für Konservative.

    Finde ich.

  15. R.A.
    8.05.2006 | 10:32

    Die gräßliche Zypries (die leider auch noch bei uns Abgeordnete ist) ist deutlich das Mitglieder Bundesregierung (alt wie neu), das mir am häufigsten extrem negativ auffällt (und die Konkurrenz ist ja heftig).

    Auch ihr aktueller Vorstoß ist wie üblich sowohl ungerecht wie dumm in der Sache.

    Man kann ja gerne der Meinung sein, Schuluniformen hätten ihre Vorteile. Und wenn eine Schule das in eigener Entscheidung einführen will – bitte sehr.

    Aber daß jetzt ganz Deutschland uniformiert wird, weil in Köln zwei Burkas aufgetaucht sind – das kanns ja wohl nicht sein.

    Wenn die Ministerin nicht in der Lage ist (bzw. zu feige ist, mit dem Islamisten in Konfrontation zu gehen), dieses Thema zu lösen, dann ist es bestimmt nicht zulässig, das auf dem Rücken der deutschen Schüler auszutragen.

  16. Marian Wirth
    8.05.2006 | 12:21

    Joachim,

    dass Uniformen das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken (wenn denn eines da ist), kann und will ich nicht bestreiten – aber das stand nicht auf dem Wunschzettel der Bundesjustizministerin.

    Aber die Karawane ist ja ohnedies schon weitergezogen ;-) .

  17. 8.05.2006 | 13:22

    Hello, Marian (and everyone), and greetings!

    I fear that my German is very bad, so I will have to post in English.

    The idea of school uniforms seems to me to be rather unproductive. Call it maybe “typical government attempt to deal with a serious problem by proposing a silly solution that is really not a solution.” ;-)

    I am not against school uniforms in general. Many schools here in the US and in Taiwan have uniforms. They can be very nice too; each school has its own style, and so the clothing becomes a way to form school identity. They are also a way to encourage a sense of community — and to reduce rich kid-versus-poor kid clothing competitions, etc. But this sort of thing works best, I think, as small projects for individual schools. I don’t think forcing an entire country to adopt the same school uniform will do any good. It will probably instead cause more harm than good.

    I don’t doubt that the minister who proposed this idea thinks it will help form some kind of “we are all German students!” feeling. But I don’t think it will work because this is only a superficial act.

    The real problem (from what I see from my computer on the other side of the Atlantic) is integration as a whole of non-European immigrants. No amount of uniforms will ease the problem of alienation/separation/radicalization. School uniforms applied to this bigger problem is like putting a little bandage on a broken leg. The real difficulty lies under the surface; the bandage is only a superficial attempt to fix it. We must fix the underlying problem. But of course it is much faster and easier to stick on a colorful, attention-grabbing bandage because it is easily VISIBLE and then proclaim, “We fixed the problem! Vote for my party because we did something!” Meanwhile, the broken leg remains broken.

    Well, I suppose you COULD implement these school uniforms. But if you do, you also have to begin other, real initiatives to solve social problems.

    Finally, the school uniform idea reminds me of the French attempt to ban Muslim headscarves in French schools. It was silly and weak. The real and burning problem is social fragmentation, not whether little girls wear headscarves.

  18. 8.05.2006 | 13:50

    Bei uns in der Schweiz ist es sehr lustig: Die Schulen, die sich das selber verordnen (und es auch finanzieren), sind sehr glücklich damit (Kopftücher sind vorläufig nicht betroffen, Burkas haben wir keine). Und zwar von Kindergarten bis Oberstufe.

    Aber es glaubt so gut wie niemand in der Schweiz daran, dass so etwas flächendeckend eingeführt werden könnte. Wir müssen schon über einen Bildungsartikel streiten, der so unwichtige Dinge wie welche beiden Fremdsprachen werden in der Volksschule unterrichtet, regeln möchte.

    Als Leherin einer Berufsfachschule, wäre ich glücklich mit Schuluniformen, auch für Lehrpersonen und inklusive Regelung der Kopfbedeckung. Das meine ich nicht polemisch und nicht politisch. Sondern einfach persönlich. Es würde meinen Alltag erleichtern, davon bin ich überzeugt.

  19. 9.05.2006 | 12:12

    Die zauberhafte Zypries, die wunderbarerweise bei uns Abgeordnete ist (nur um da mal R.A. einfach mal so kontra zu geben ;-) hat halt auch Ideen wie so manch’ anderer Abgeordneter auch.

    Und die Zuständigkeit der Justizministerin als Aufhänger zu nehmen, halte ich für das schwächste Argument. In zig Blogs äußern sich Leute zu massig Themen ohne irgendein Mandat zu haben, Kompetenz nachzuweisen oder gar zuständig zu sein. Also warum nicht auch die Brigitte?

    Des weiteren werden Schuluniformen in die Länderkompetenz fallen, da wird es keine Regelung vom Bund her geben. Die erinnern sich doch noch alle wie Edelgard Bulmahn wegen des Studiengebührenverbots auf die Nase gefallen ist. Und eine Bundesschuluniformregelung würde vom BVerfG meiner Meinung nach ganz schnell kassiert, weil das nunmal eindeutig Ländersache ist.

    Ich stimme R.A. zu, dass das gemäß Subsidiaritätsprinzip die Schulen vor Ort entscheiden sollen.

    Btw: Ohne aktiviertes JavaScript wird nicht erkannt, dass man alle Felder oben schon ausgefüllt hat. Nur als Info, ist keine Kritik.

  20. 9.05.2006 | 12:35

    @marcc

    Politische Naivität in allen Ehren, aber wer sich als einfacher Abgeordneter äußern will, sollte auch einfacher Abgeordneter bleiben…

    Javascript: Kritik wäre auch fehl am Platz gewesen – das Plugin stammt nicht von uns ;-) Aber die Hardcore-User und Web-2.0-Verweigerer müssen dann eben auf den guten, alten Ansatz des Lesens und Verstehens zurückgreifen. Wer den vorsorgenden Webmaster will, braucht eben höhere SteuernJavascript…

  21. 9.05.2006 | 13:09

    @Rayson: Ob nun BZ Abgeordnete ist oder nicht, geschenkt. Aber da die Zuständigkeit ins Feld zu führen, finde ich ziemlich schwach, weil wir uns da alle dann aus der Diskussion verabschieden könnten, wenn man das genauer ausleuchten würde. Wäre doch schade.

    JavaScript lässt sich halt beim FF ganz leicht mit der Erweiterung “NoScript” ausschalten. Erspart einem manche ungefragt laute und bunte Flash-Animation.

  22. 9.05.2006 | 13:25

    @marcc

    Das ist nun einmal so, wenn man Mitglied der Bundesregierung ist. Eine Bundesjustizministerin handelt während ihrer Amtszeit immer in genau dieser Eigenschaft, wenn sie sich offiziell äußert (es sei denn, sie wäre auch noch Parteivorsitzende, denn die haben Narrenfreiheit).

    Ihr Verhalten erscheint um so absurder, als sie, wie von Marian eingangs erwähnt, sich aus der sie weit mehr angehenden Diskussion um Softwarepatente ausklinken will.

    “NoScript” ist auch in meinen FF eingeklinkt. Meiner eigenen Website vertraue ich allerdings ;-)

  23. Dirk
    9.05.2006 | 20:37

    unsere politiker betrachten deutschland seit langem als ein arbeitslager. aus den insassen pressen sie heraus, was möglich ist, wir werden überwacht und täglich mehr entmündigt. mit der einführung biometrischer ausweispapiere kommt nun folgerichtig die brilliante idee der lagerkleidung. ich warte auf den tag, an dem man mir von staatswegen eine nummer tätowiert.

  24. 10.05.2006 | 8:41

    Dirk,

    vielen Dank, dass Du Deine Gülle hier abgesondert hast. Das war der beknackteste Kommentar von allen 1209 Kommentaren, die ich bisher bei den Bissigen Liberalen gelesen habe.

    Mach’ doch mal Urlaub in Nordkorea. Oder lies’ ein gutes Buch über die Zeit, auf die Du hier anspielst. Dann besteht vielleicht noch ein Fünkchen Hoffnung, dass Du Deine Vergleichsparameter wieder justiert bekommst.

    Ich lasse Deinen Kommentar trotzdem stehen, damit ich zu gegebener Zeit darauf verlinken kann.

  25. 10.05.2006 | 9:13

    marcc,

    schön, dass Du mal wieder hier kommentierst :-) . Deine Argumentation kann ich allerdings nicht nachvollziehen.

    Als Bundesjustizministerin ist Frau Zypries quasi für alles sachlich zuständig, jedenfalls im Rahmen von am Wochenende veröffentlichten Interviews mit der Springer-Presse. Aber wenn sie sich schon zu Themen äußert, für die sie weder örtlich noch funktional zuständig ist, dann doch bitte sachlich richtig und in einer Art und Weise, die überhaupt noch Raum für eine Diskussion lässt. Das hat sie mit der Formulierung “So lösen wir dieses Problem” ja nun gerade nicht getan.

    In ihrer Argumentresistenz lässt sie sich nach meiner Wahrnehmung nur noch mit Wolfgang Clement, Helmut Kohl und Oskar Lafontaine vergleichen.

    Und da Blogger ja auch für alles zuständig sind (auch ohne Springer-Presse), befinden wir uns mit Bundesministerinnen auf alle Fälle immer auf Augenhöhe ;-) .

  26. Selina
    15.05.2006 | 18:49

    SCHULUNIFORMEN?HURRA!

    Jeden Tag hoffe ich, dass ENDLICH Schuluniformen herkommen. Die “angeberei” wird zwar trozdem immer weiter existieren, aber ein rießengroßes Problem hätten wir gelöst! Z.B, dass Mädchen sich immer weniger kleiden, und so nach 20 Jahren diese Mädchen krank sind. So würden also auch niemand sich einsam fühlen, da jeder eine Schuluniform trägt, die miteinander verbindet, oder wenn man nicht so reich ist, um sich die neuesten Kleider zu besorgen.

  27. 16.05.2006 | 0:11

    Die beiden Kommentare aus dem Ausland (USA und Schweiz) sind mit am besten hier. Ja die Schweiz ist ja eh weiter als Deutschland und für Deutschland ist es wahrscheinlich auch das sinnvollste, es jeder Schule frei zu stellen, ob sie Schuluniformen möchte. Allerdings versteh ich auch nicht, was schlimm daran ist, wenn Schüler mit Burka oder Schleier oder Kruzifix zur Schule gehen. Ok, nackig würde gegen die Sitten verstoßen, aber nen Schleier? Wenn Schuluniform, dann nur um der auf Mode basierten Cliquenbildung vorzubeugen und ähnlichen Dingen.
    In Nigeria gibts übrigens auch Schuluniformen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Staat die bezahlt, aber wissen tu ich es nicht. Jdf. funktioniert es dort auch irgendwie, obwohl Nigeria nicht für seine unzähligen reichen Leute oder sein großzügiges Sozialsystem berühmt ist. Und die Schuluniformen sehen überdies auch noch sehr hübsch aus. Genau weiß ich aber nicht wie sehr die armen dort durch die Schuluniformpflicht geschröpft werden. Ist für Deutschland aber auch eigentlich irrelevant, da hier selbst die Obdachlosen i.d.R. reicher sind als dort die Armen…

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