Brüh im Lichte dieses Glanzes….

Potzblitz – Bürgerschreck Ströbele geht seiner hauptberuflichen Tätigkeit nach, dem Fordern, und die deutsche Politik, dankbar um das bisschen Abwechslung bei all den drögen Reformthemen, setzt sich auf die Sau drauf. Heute geht es um eine “offizielle türkische Version der deutschen Nationalhymne als Symbol der Vielsprachigkeit Deutschlands”.

Man ist versucht, mit einem bekannten deutschen Herrscher zu fragen: “Ja, is denn heit scho Sommerloch?”

Gibt es keine “offizielle” Version, weil das Amt fürs Absingen der deutschen Nationalhymne einem eifrigen türkischen Übersetzer den Segen verweigert hat? Oder gibt es vielleicht gar keine Version, weil das Bedürfnis danach bisher nur Herrn Ströbele, aber keinesfalls die türkischsprechende Bevölkerung dieses Landes befallen hat? Gibt es denn auch eine offizielle Delmenhorster Version, wo wir schon bei Vielsprachigkeit sind?

Also, so wie ich die Türken kenne, würden die, sollten sie an Ströbeles Wunsch Geschmack finden, etwas ganz Unerhörtes tun: Sie würden den Text einfach ungenehmigt übersetzen und ebenso ungenehmigt in der Form des Gesangs zum Besten geben. Wenn sie denn wollen.

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11 Kommentare zu “Brüh im Lichte dieses Glanzes….”

  1. Marian Wirth
    2.05.2006 | 19:25

    Ach, Ströbele, der alte Pro-Amerikaner, möchte uns doch nur etwas dafür tun, dass unsere Verhältnisse noch amerikanischer werden:

    Nuestro Himno: My Two Cents (woher ich das habe, brauche ich wohl nicht anzugeben, oder? ;-) )

    George W. Bush Objects to the Singing of the “Star Spangled Banner” in Yiddish

  2. Marian Wirth
    2.05.2006 | 19:54

    Übrigens wurde Ströbeles Idee laut der von Dir verlinkten Quelle von Frau Künast gleich als April-Scherz zurückgewiesen, während nach einem Artikel in der Netzeitung “die FDP” (hihi) Ströbeles Forderung unterstützt:

    Die FDP unterstützt Ströbeles Forderung. Die Fraktionssprecherin für Integration und Migration, Sybille Laurischk, sagte der «BZ»: «Das wäre eine interessante Möglichkeit für Menschen anderer Herkunft und Sprache, die deutsche Kultur zu verstehen.»

    Die FDP-Politikerin hielte dies auch für einen Beitrag zur Einbürgerungsdebatte. Schließlich habe die Hymne ganz zentral mit der deutschen Staatsentwicklung zu tun und zeige: «Wir haben schon im 19. Jahrhundert um Einigkeit, Recht und Freiheit gerungen.» So könne man Grundwerte der deutschen Demokratie auch Menschen mit geringen deutschen Sprachkenntnissen nahe bringen.

    Ich zitiere deshalb aus der Netzeitung, weil das Zitat umfangreicher ist als das im SpOn. Auch nach diesem umfangreicheren Zitat schließe ich mich Bosbach an: Das wäre das Gegenteil von Integration. Aber es ist mal wieder typisch, dass bei uns noch nichtmal die Immigranten selber diese Forderung erheben, nein, sie wird von deutschen Politikerinnen und Politikern erhoben.

  3. 2.05.2006 | 20:13

    Marian, wie Ströbele auf die Idee gekommen ist, war mir auch klar. Bloß dass es auch in den USA nicht um eine “offizielle” spanische Version ging, sondern einfach um die selbständige Übersetzung lateinamerikanischer Musiker, die dann Proteste nach sich zog.

    Die FDP-Tante war neben Bosbach mit denen gemeint, die sich auf die Sau setzen. Künast sieht’s wohl wirklich so wie ich im Beitrag.

  4. 2.05.2006 | 21:09

    Man glaubt tatsächlich schon glaubt, das Sommerloch fordere seinen Tribut. Also, ich bin ja nun trotzdem drauf geflogen.

    Mir hat die Parallele zu Buschs Einsatz für das Vaterland so gut gefallen. In den USA scheint “man” doch mehr Probleme mit der Integration von Ausländern zu haben, obwohl wir das für ein spezifisch deutsches Problem zu halten scheinen – manchmal.

  5. 2.05.2006 | 21:10

    Fehlende Zustimmung sicher…

    Im Moment steht es ungefähr 88,9 % gegen die Einführung der 3. Stufe des Deutschlandliedes in türkischer Sprache. Bei SpOn gibt’s eine Abstimmung zu dem grandiosen Vorschlag Christian Ströbeles (Grüne).
    Ströbele hat…

  6. Marian Wirth
    2.05.2006 | 21:43

    Bloß dass es auch in den USA nicht um eine “offizielle” spanische Version ging

    Um das zu widerlegen, habe ich ja noch einen Link gepostet ;-) .

    Die FDP-Tante war neben Bosbach mit denen gemeint, die sich auf die Sau setzen.

    Och, komm. Wer Schreiner und Böhning als “die” SPD verkaufen kann, der sollte dann auch im eigenen Lager auch die Reiterin nennen, und nicht nur die Sau.

    Siehe auch: SPD: Deutsche sollen in ganz Kongo helfen

    Und wer ist in diesem Fall “SPD”? Ein (!) Verteidigungsexperte. Sollten wir mal zur Ortsvereinssitzung einladen, den Mann. Im Artikel sind dann noch von Klaeden (CDU) mit etwa der Hälfte dessen zitiert, was er am Sonntag in der FAS gesagt hat. Der hatte wohl schon eine Unterredung mit der Basis in der Zwischenzeit.

  7. 2.05.2006 | 23:14

    Wenn Politiker keine Aufmerksamkeit bekommen…

    Eigentlich können Politker einem Leid tun. Für harte Arbeit bekommen sie höchstens angemessen, jedoch nicht übermäßig viel Geld, haben sich dafür aber im Gegenzug permanent vor der Öffentlichkeit zu rechtfertig…

  8. 3.05.2006 | 0:17

    @Marian

    Wenn es denn in eine typische FDP-Schwachstelle gepasst hätte, gerne. Aber diese Frau war mir dann doch wirklich zu unbekannt und das Thema zu lächerlich, dass ich da eine generelle Tendenz hätte draus machen wollen. Wenn du von mir eine Unterschrift unter die Behauptung willst, (auch) die FDP sei eine publicitysüchtige und klientelbedienende Partei, dann gebe ich dir die pauschal.

  9. 3.05.2006 | 10:11

    @ rayson

    Ooops! Wer ist denn die FDP-Klientel, die mit so einer Forderung bedient werden soll? Ich glaube ich muss mir die Partei und ihr Programm noch mal ganz genau ansehen. Offenbar ist mir da bisher etwas entgangen ;-)

  10. 3.05.2006 | 13:54

    @reformstaub

    Ich hatte ganz im Sinn einer pauschalen Unterschrift zum Rundumschlag ausgeholt. In diesem Fall trifft der Klientelvorwurf wohl mal nicht (obwohl sich die FDP durchaus amateurhaft um Einwanderer bemüht – hier in Karlsruhe z.B. mit einer sehr, sehr jungen, bauchnabelfreien Landtagskandidatin “mit Migrationshintergrund”), sondern nur die Diagnose Logorrhoe aufgrund von Öffentlichkeitsgeilheit.

  11. 3.05.2006 | 19:58

    Wann hat es eigentlich zuletzt einen deutschen Hit gegeben, der sich anschickte internationale Charterfolge zu feiern? Die Erben der Familien Haydn und von Fallersleben werden die zu erwartenden Mehreinnahmen durch die Gema sicher zu schätzen wissen.

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