Ein Opfer, die Politik und der Rechtsstaat

Die Fakten: Zu sehr später Nachtstunde wurde der aus Äthiopien stammende Ermya M. durch einen körperlichen Angriff lebensgefährlich verletzt. Auf einem Handy-Mitschnitt war zu hören, wie die Angreifer ihn als “Scheiß-Nigger” beschimpften und er sie “Schweine-(Sau)” nannte. Sowohl Opfer als auch Täter waren anscheinend alkoholisiert.

Einige konnten der Versuchung nicht widerstehen, die Tat zum Symbol zu erheben für Rassismus schlechthin und als Abgrenzung zwischen guter und böser Politik. Der Aufruf “Wir sind Brandenburg” steht exemplarisch für dieses “Gutmenschen”-Gehabe: Man nutzt eine Gelegenheit, um sich selbst moralische Überlegenheit zu attestieren und vom schlechthin Bösen abzugrenzen. Dass es sich bei den drei an der Spitze der Unterschriftenliste Stehenden um verantwortliche Politiker handelt, die statt dessen lieber über eigenes Versagen nachgedacht hätten, setzt diesem Appell die Krone auf.

Eine solche Strategie hat Risiken. Die moralisch eindeutige Abgrenzung erträgt nämlich keine Grautöne. Wenn sich im Laufe der Ermittlungen herausstellt, dass die Vorgeschichte der Tat etwas vielschichtiger ist als das Klischee “Marodierende Neonazibande fällt willkürlich über Dunkelhäutigen her”, gerät sie in Argumentationsnöte und spielt denen in die Hände, die auf Möglichkeiten der Relativierung geradezu gewartet haben. Daher muss sie Berichte, das Opfer selbst habe sich vielleicht alles andere als vorbildlich verhalten, für eine Art feindliche Propaganda halten. Dass hier mehr im Spiel gewesen sein könnte als Rassismus, muss, weil es die Instrumentalisierung unmöglich macht, unbedingt ausgeschlossen werden. Da auf die Dauer aber, zumindest für die öffentliche Wirkung, die Realität nicht verleugnet werden kann, wird dem eigenen Anliegen damit ein Bärendienst erwiesen.

Wenn rechte Blogs sich jetzt daher mit Bemerkung zurücklehnen, dass sei doch “nur eine Schlägerei unter Betrunkenen” gewesen, dann ist das eine Halbwahrheit anderer Art, die Opfer und Täter perfiderweise gleichsetzt. Die mutmaßlichen Täter hatten darüber hinaus Kontakt zur Neonazi-Szene, sind eindeutig rassistisch eingestellt und gingen brutal vor. Das gehört zum vollständigen Bild dazu.

Es wäre müßig, darüber zu streiten, ob es in Deutschland Rassismus gibt oder nicht. Es gibt ihn, wie leider fast überall auf der Welt. Dazu braucht man nur mal in Fußballstadien zu gehen, wo schwarze Spieler mit Urwaldlauten bedacht werden, sich die letzte NPD-Kampagne anzuschauen oder einfach nur Blogkommentare zu lesen. Tatsache ist aber auch, dass man es in Ostdeutschland speziell und in Deutschland allgemein leid ist, für etwas stellvertretend an den Pranger gestellt zu werden. Der Rassismus in NRW hindert die Wessis nicht daran, mit dem Finger auf die Ostdeutschen zu zeigen, und der in den USA und in England die dortigen Medien nicht, bei solchen Anlässen wieder den alten SS-Schergen aus der Versenkung zu holen.

Anscheinend beschäftigt einen Teil der Politik diese Imagefrage weit mehr als die Thematik an sich. Die einen reagieren mit Aktionismus, die anderen mit Relativierung. So kurz vor der WM, die ja für nicht mehr und nicht weniger zuständig ist als die Lösung der deutschen Wirtschaftsprobleme, soll nur kein schlechter Eindruck entstehen. Warum wird die Tat zweier rechter Schläger plötzlich zur Sache für den Bundesanwalt? Wenn es denn so ist, wie MomoRules vermutet, dass also in Brandenburg, u.a. befördert durch Schönbohmsche Interviews, ein Klima entstanden ist, das die gebotene Verfolgung solcher Straftaten verhindern könnte, dann wäre das doch nichts anderes als ein Putsch gegen den Rechtsstaat. Und der zweite Mann auf der “Wir sind Brandenburg”-Unterschriftsliste schaut unwissend weg oder billigend zu? Ich wäre da sehr vorsichtig, nicht allgemeine Laxheit mit politisch motivierter zu vermischen, aber bitte: Wenn es dafür Belege gibt, müssen sie auf den Tisch!

Schäubles Äußerung ist im besten Fall unglücklich formuliert und im schlechtesten unzulässig relativierend. Er sollte sie klarstellen.

Die Neigung der Politik und aller politisch VoreingenommenenInteressierten, jeden Anlass zu nutzen, die alten Schubladen wieder zu öffnen, ist zwar notorisch, aber es gibt im konkreten Fall zum jetzigen Zeitpunkt nur eine Art richtiges Verhalten: Abwarten der Ermittlungsergebnisse und vor allem Beten (bzw. was auch immer Atheisten in solchen Fällen tun) für Ermya M.. Wer sich inzwischen gegen Rassismus wenden will, findet dafür in Deutschland leider noch genug andere Möglichkeiten. Mit spekulativen Halbwahrheiten ist der Sache jedenfalls nicht gedient.

Ähnliche Beiträge


24 Kommentare zu “Ein Opfer, die Politik und der Rechtsstaat”

  1. 23.04.2006 | 22:03

    Ich bin ja mit Lob ziemlich sparsam, aber trotzdem: sehr guter Beitrag.

    Wenn ich z.B. MomoRules’ Beitrag lese befällt mich eine wilde Schwermut.
    Auf der einen Seite diejenigen die relativieren, auf der anderen Seite diejenigen die instrumentalisieren. Die Konservativen sitzen in ihrer eigenen Falle, sie wollen qualifizierte Einwanderer (z.B. Kewil), aber angesichts dieses Falles wird sich jeder nichtdeutsche Akademiker fragen ob er/sie in Deutschland sicher wäre. In solchen Kreisen werden solche Vorfälle sicher wahrgenommen. Während für dem “Wirtschaftsflüchtling” dies entweder sein geringstes Problem ist, oder er gar nichts darüber weiss. Und so weit relativieren, damit sich alles in Wohlgefallen auflöst, lässt sich der Fall auch nicht ohne zu lügen, denn am Ende liegt immer noch ein Schwerverletzter auf der Intensivstation. Die destruktive Linke versucht die “Lufthoheit” über die Sprache und die öffentliche Meinung zu erlangen. Das verhindert dummerweise nichts und das Ausnutzen von Verbrechensopfern ist alles andere als moralisch. Im Übrigen ist es nicht so fortgeschrittlich, statt dem Merkmal “hat dunkle Haut” Menschen mit dem Merkmal “hat Karriere in der Bundeswehr gemacht” ungerecht, abwertend und herablassend zu behandeln.

  2. 23.04.2006 | 22:32

    Komm, wenn Du Dich schon in solcher Form auf meine Aussagen beziehst, dann bitte richtig.

    Ich habe nicht von direkten Anweisungen von Schönbohm an irgendwen berichtet, sei es mittels Interview oder sonstwie. Ich habe mich bezogen auf diverse, jahrelang immer wieder auf’s Neue gelesene Medienberichte zu diesem Thema, zumeist in der FR und DIE ZEIT (die beiden habe ich abonniert, da muß es gestanden haben). Zum Teil waren das auch Prozeßberichte. Auch eine konkrete Vor Ort-Recherche in Sachsen und Brandenburg bei den Opfer-Initiativen verstärkte diesen Eindruck. Die liegt ca. 1 Jahr zurück, die Recherche hat einer meiner Mitarbeiter durchgeführt. Allesamt berichteten über eine Praxis, die in einigen Fällen dazu neigt, rechtsradikale Taten nicht als solche auszuweisen.

    Die Relativierungen von Schönbohm sowie dessen auf SpOn zitierte Aussagen über die “Stigmatisierung” Brandenburgs , die ja wenn überhaupt allenfalls von Schäuble kämen, tragen zu diesem Klima bei, so hab ich’s sinngemäß geschrieben. Das ist eine ganz andere Akzentsetzung als jene, die Du oben vornimmst, da bitte ich doch um mehr Präzision. Außerdem habe ich allenfalls vermutet, daß dieses Herrn Nehm motiviert haben könnte. So was behaupte ich doch nicht als Tatsache. Über Gründe spekulieren sei jedoch erlaubt im Rahmen einer Diskussion im Kommentarbereich.

    Herr Nehm hat seinerseits sinngemäß verlautbaren lassen, daß es sich um einen Fall handele, der die nationale Sicherheit beeinträchtigen könne. Wie kommt der Mann da drauf, wenn’s einfach ein paar Besoffkis waren?

    Die letzte Aufstellung diesbezüglich war in einer Ausgabe der FR vor ein paar Tagen – habe heute aufgeräumt, deshalb isse wech. Da war in etwa eine Gegenüberstellung von 85 zu 130 Taten – die letztere Zahl war jene, die Opferinitiativen als rechtsextreme Gewalt bezeichneten, die erste das, was die Ermittlungsbehörden als solche klassifizierten. Es waren Zahlen aus einem ostdeutschen Bundesland, ich meine, jene einen Jahres. Das Ganze war auf Seite zwei, ein Themenschwerpunkt.

    Das ist jetzt noch halbgar, zugeben, verhöhn mich von mir aus, das recherchiere ich die Tage noch mal präziser, als erste Richtung und Quellenangabe soll das für heute abend mal reichen.

    Daß nun gerade dieser Fall so diskutiert wird, liegt unter anderem daran, daß jahrelang über solche Fälle gar nicht mehr berichtet wurde, obgleich sie Alltag sind. Da muß so ein Fall schon ‘ne Menge tragen, in diesem Punkt hast Du recht.

    Ich habe nur in diesem Fall bei allen Differenzierungsbemühungen Deinerseits doch ein Problem

    a.)mit so Einschübseln wie “politisch motiviert”. Sorry, aber relativiert das irgendwas? Im Falle Rassismus habe ich zumindest keinerlei persönliche Interessen, und in einer Partei bin ich auch nicht. Diese psychologischen Motivationen, die Du oben konstruierst, über die Abgrenzung zum “schlechthin Bösen” finde ich extrem zynisch. Den Respekt, den Du im Falle des Glaubens einforderst, könntest Du ja eventuell auch in diesem Fall Anderen entgegenbringen. Moralität ist ja individuell auch bedeutsam.

    b.) mit dem etwas despektierlichen Gestus gegenüber “Gutmenschen”, sorry. Mir ist’s immer noch lieber, es regen sich massenhaft Leute über Rassismus auf, ja, erregen sich, wie Herr Schäuble heute abend sagte, als daß sie’s bleiben lassen – wie ansonsten zumeist …

    Mittlerweile wird ja lieber Rechtfertigungsdruck auf jene erzeugt, die sich über Rassismus empören, als auf jene, die ihn praktizieren. Ist ja was ganz normales, habt euch nicht so. Gibt’s doch überall. Das ist das größte Desaster an einem Fall wie diesem. Der Rest meiner Position steht in meinem Blog.

  3. 23.04.2006 | 22:38

    @Klaus:

    Ja, das kenne ich ja schon von Dir, daß die vermeindlich “destruktive Linke” dann an allem Schuld ist. Die hat auch höchstpersönlich diesen Menschen auf die Intensivstation geprügelt …. Hallelujah! Und Sprüche wie “Ausnutzen eines Opfers” sind wirklich schon mehr als unverschämt. Denk doch mal nach, bevor Du verletzten willst.

  4. 23.04.2006 | 22:58

    @ MomoRules
    Der erste Absatz in deinem Beitrag spricht Bände. Ich kenne die Märkische Allgemeine nicht und auch wenn sie in irgendwelchen Kreisen als rechts verschrien wäre, ist und bleibt dein erster Absatz für mich schlicht übelste Verleumdung – und das ist destruktiv …

  5. 23.04.2006 | 23:40

    @MomoRules

    Von direkten Anweisungen schreibe ich auch nicht, und dass es sich deinerseits nur um eine Vermutung handelt, erwähne ich explizit. Aber ich schreibe den Satz gerne um, wenn du dich falsch zitiert fühlst.

    Mir entstehen hier jedenfalls die Verbindungen zu schnell und zu verschwörungsartig. Wenn es denn so ist, dass die Brandenburger Justiz nicht das tut, was sie zu tun hat, dann wäre das ein Skandal ersten Ranges, der sich nicht dafür eignet, nur gegen Schönbohm verwendet zu werden.

    Juristisch und polizeilich entscheidend ist aber doch weniger, ob ich einer Tat das Etikett “rechtsextremer Hintergrund” verpasse, sondern ob die Täter dem Gesetz nach bestraft werden. Nur um ja die politisch gewünschte Einordnung zu sichern, darf jedenfalls kein Bundesanwalt den Landesbehörden einen Fall wegnehmen. Wie Nehm zur Bedrohung der nationalen Sicherheit kommt, würde mich wirklich sehr interessieren. Von dem, was bislang bekannt wurde, deutet überhaupt nichts darauf hin.

    Ich bezweifle übrigens, dass sich dieser Vorwurf nur durch eine Gegenüberstellung der Fallklassifizierungen von Ermittlungsbehörden und Opferinitiativen belegen lässt. Erstens haben letztere ein natürliches Interesse daran, besonders viele Fälle in die gewünschte Kategorie einzuordnen, und zweitens spielen, wie wir sehen, bei vielen Taten mehrere Aspekte eine Rolle. Man kann es natürlich so machen wie bei Alkohol im Straßenverkehr: Wann immer der im Spiel ist, wird er automatisch zur Unfallursache, ohne Rücksicht auf den tatsächlichen Hergang. Ein Grund zum Hinsehen: ja, ok.

    Die politische Motivation unterstelle ich nicht dir (wie kommst du darauf?), sondern z.B. den Machern der “Wir sind Brandenburg”-Initiative, denen ich einfach nicht abnehme, dass sie sich lediglich “gegen Rassismus empören”. Deren Hauptmotivation ist es, sich präventiv auf die Seite der Guten zu stellen, um sich selbst die Absolution zu erteilen und von da aus gegen andere austeilen zu können. Gerade von verantwortlichen Politikern erwarte ich etwas anderes als solche der Selbstvergewisserung dienenden Appelle.

    Der beste Beleg dafür sind die von dir in deinem Blog genannten Alltagsfälle, wo nicht nur das Handeln, sondern auch der wohlfeile Appell ausbleibt. Warum? Weil es nicht in den Medien vorkommt.

    Wenn du meinst, dass der Hinweis auf die weite Verbreitung von Rassismus geeignet sei, ihn zu verharmlosen, kann ich dem einen Gegenverdacht gegenüberstellen: Wer den Fokus auf ganz bestimmte Schuldige braucht, verfolgt vielleicht ein anderes primäres Ziel als die Bekämpfung von Rassismus. Ich jedenfalls kann nicht erkennen, warum ein Angriff wie der auf Ermya M. bspw. durch einen Le Pen oder spanische “Fußballfans” harmloser werden sollte.

    Ich hoffe, deutlich gemacht zu haben, dass die Angst vor Imagefolgen kein Maßstab des Vorgehens und der Einordnung sein darf, und dass Relativierungsversuche wenig sinnvoll sind.

  6. 24.04.2006 | 18:02

    [...] Die bissigen Liberalen haben schon einiges an Richtigem zur Bewertung der Attacke gegen den Deutsch-Afrikaner in Potsdam und zu Ihrer Instrumentalisierung von Links und von Rechts geschrieben. Als Ergänzung erlaube ich mir allerdings, ohne damit meinen ostdeutschen Lesern zu nahe treten zu wollen, zu bemerken: sicher sind Xenophobie und Rassismus Probleme, die nicht auf die neuen Bundesländer beschränkt sind. Die extreme Gewalttätigkeit, mit der sich dieser Rassimus äussert und auch die offensichtlich niedrige Hemmschwelle gewalttätig zu werden, scheinen mir allerdings durchaus eine ostdeutsche Spezialität zu sein. Ich denke deshalb, der Generalbundesanwalt hat gut daran getan, das Verfahren an sich zu ziehen. Es ist nämlich ziemlich unerheblich, ob die Täter besoffene Türsteher waren oder organisierte Rechtsextreme: Wo Nigger rauskommt, ist auch Rassimus drin. Allzuoft darf das Pack dann auch noch auf Verständnis hoffen und darauf, wegen geistiger Unzurechnungsfähigkeit, Alkoholsucht oder zu wenig Freizeitgestaltungsmöglichkeiten mit geringen Strafen für ihre Gewalttaten davonzukommen. Zero Tolerance gegenüber Gewalt (gleichgültig von wem und gegen wen sie ausgeübt wird) ist die richtige Antwort. Eine Botschaft, die allemal deutlicher in den vernebelten Resthirnen der Täter ankommen dürfte, als Unterschriftenlisten oder Mittelaufstockung für zweifelhafte “Kampf gegen Rechts”-Projekte. Beitrag versenden – Druckansicht – Kategorien: Alle • Gruselkammer [...]

  7. 25.04.2006 | 1:16

    Ich habe den sehr deutlichen Eindruck, dass Schäuble/Schönbohm die Arbeit der Justiz, und zwar von Kai Nehm kritisiert haben, und zwar deshalb, weil sie – im Gegensatz zu Kai Nehm – keinerlei Anhaltspunkte für eine Fall rechtsextremistischer Gewalt erkennen können.

    Wenn das stimmt, was ich sage, dann waren Schäuble/Schönbohm & Co der Meinung, sie hätten bessere Erkenntnisse als das Ermittlungsorgan bzw. sie waren mit der Wertung von Kai Nehm (nämlich dass ein Verdachtsmoment gegeben ist) nicht einverstanden.

    Warum?

    Ich halte wenig davon, das Vehalten der Justiz mitten während der Ermittlungsphase zu kritisieren (Schäuble/Schönbohm) oder sogar veritabel zu behindern (Schönbohm macht die Täter bereits vor dem Zugriff in einem Rundfunkinterview auf den bevorstehenden Zugriff aufmerksam, al, dass gottlob die Täter

    Ein Skandal!

    Dass ausgeprägte Rechtsblogger das Skandalöse weder im Verhalten von Schönbohm noch von Schäuble nicht erkennen können, das wundert mich nicht.

    Rechtsblogger halt.

    Wie auch schon Rayson geschrieben hat: Wer in rechtsextremistischen Kreisen aktiv ist (u.a. der Antifa als aktive Rechtsextremisten bereits bekannt), widerwärtigste Faschistenmusik zu Hause hat (u.a. Lunikoff und Landser, und dies bei beiden Tätern!) und ein Opfer unter Niggerrufen, und zwar als ausgebildete Kampfsportler (!) mit tötlichen Schlägen bearbeitet, bei dem soll also gar kein Verdachtsmoment gegeben sein?

    Geht es Schönbohm und seinen Verteidigern noch gut?

    Und die Mutter lügt eifrig herum (dank DNA-Anlalyse ist sie als Lügnerin überführt – von wegen Ihr Sohn hätte zur Tatzeit im Bett gelegen – was für ein Hohn), und auf dieser Basis sowie auf behauptete Angriffe des Opfers (der war übrigens ein Wissenschaftler) in einer Disko (übrigens: Die “Zeugen” dafür sind ebenfalls der Antifa schon bekannt) beruht es, dass die Springer-Presse und die rechtspopulistischen Politiker von einem angeblich unklaren und auf gar keinen Fall rechtsextremistischen Tathergang faseln.

    Mal ne Frage:

    Was soll denn noch zusammenkommen?
    - DNA-Spuren
    - Beide Täter hören übelste Faschistenmusik
    - Beide Täter sind der Antifa (u.a.) als aktive Rechtsextremisten bekannt
    - Die Stimme auf dem Handy gibt einen deutlichen Hinweis auf das Tatmotiv
    - Die Mutter des Opfers ist eine notorische Lügnerin,
    - und auch das Umfeld versucht die beiden Rechtsextremisten zu decken, darunter ein Täter, der (als Kampfsportler) einen echten Mordversuch unternommen hat. Ein Mordversuch, der womöglich sogar noch zum Erfolg führt.

    Und Rayson? Er gibt sich für meinen Geschmack allzu staatstragend und relativierend. Hier gibt es kein unentschiedenes “sowohl-als auch”.

    Schäuble soll bitteschön sei blond-blauäugiges Statement präzisieren, wenn er das macht, dann wäre es ja völlig harmlos??

    Von wegen.

    Es wäre müßig, darüber zu streiten, ob es in Deutschland Rassismus gibt oder nicht. Es gibt ihn, wie leider fast überall auf der Welt.

    Es ist natürlich nicth müßig. Wenn man hinschaut, wird man feststellen, dass es in Deutschland insgesamt etwas weniger Rassismus gibt als im Durchschnitt anderer Länder. Das ist eine bedeutende Feststellung. Und man wird feststellen, dass es in Ostdeutschland ganze Landstriche gibt, welche extrem rassistisch sind. Dort gibt es ein Riesenproblem, und ein Teil dieses Problems sind übrigens Leute wie Schönbohm, welche diesen Rassismus massiv decken und verharmlosen.

    Wenn rechte Blogs sich jetzt daher mit Bemerkung zurücklehnen, dass sei doch “nur eine Schlägerei unter Betrunkenen” gewesen, dann ist das eine Halbwahrheit anderer Art, die Opfer und Täter perfiderweise gleichsetzt.

    Irrtum. Dies ist einfach kontrafaktisch. Die Täter sind Rechtsextremisten. Das rassistische Motiv ist ins Handy hinein posaunt worden. Betrunkenheit führt bei mir (übrigens auch bei Rayson) nicht dazu, dass ich jemanden “Nigger” nennen. Das Wort gehört zum Sprachschatz von Rechtsextremisten. Punkt.

    Anscheinend beschäftigt einen Teil der Politik diese Imagefrage weit mehr als die Thematik an sich.

    Ja, und ist dies das Vehalten, was du als Liberaler Dir von zwei Innenministern erhoffst? Oder ist es ein skandalös?

    (…)es gibt im konkreten Fall zum jetzigen Zeitpunkt nur eine Art richtiges Verhalten: Abwarten der Ermittlungsergebnisse(…)

    Irrtum. Der Eingriff der beiden Innenminister in die Ermittlungstätigkeit der Justiz und ihre skandalösen Statements müssen zu politischen Konsequenzen führen. Das müssen Liberale – jetzt – erledigen. Kein Schweigen, kein gutmütiges Abducken.

    Den Rest werden unsere Gerichte und Staatsanwaltschaften erledigen.

  8. 25.04.2006 | 1:18

    Die vergessenen Slashs. Grmpf. Ich sollte nie wieder ohne “Preview Comment” posten. Bis hier erst mal sorry!

  9. 25.04.2006 | 2:23

    @Dean

    Ich hab das mal umformatiert…

    Und Rayson? Er gibt sich für meinen Geschmack allzu staatstragend und relativierend. Hier gibt es kein unentschiedenes “sowohl-als auch”.

    Ja, so bin ich nunmal. Ich lasse mir von teilweise emotionaler, aber auch teilweise bewusst inszenierter Aufgeregtheit meine Vorliebe für rechtsstaatliche Verfahren und Betrachtung aller Aspekte nicht verleiden.

    Selbstverständlich gibt es hier ein “sowohl-als auch”. Man kann z.B. sowohl betrunken sein, mit einem versuchten Tritt provozieren, und dennoch zum Opfer werden. Man kann betrunken sein, sich provoziert gefühlt haben, und gleichzeitig ein Rassist sein. Man muss nicht auf am Boden liegende Wehrlose eintreten oder eine lebensgefährliche Verletzung beabsichtigen, um trotzdem eine Straftat zu begehen. Und selbst als Rassist kann man auch noch andere Motive für seine Gewalttat gehabt haben.

    Was ich mir von Innenministern erhoffe, ist zunächst mal weder Verharmlosung noch Aktionismus, sondern ganz simpel rechtsstaatliches Verhalten. Dazu lässt man normalerweise erstmal die Staatsanwaltschaft ihre Arbeit erledigen und äußert sich dann. Tatsächlich wird da immer noch zu früh zu viel Halbgares in eine mediale Welt hinausposaunt, die, wie das Beispiel Sebnitz gezeigt hat, schnell erzeugte Aufgeregtheit weit mehr schätzt als gründliche Recherche. Blogs sind da keine Ausnahme. Da ich sehe, wie dieser Fall immer mehr instrumentalisiert wird, halte ich eine betont nüchterne Herangehensweise gerade deswegen für wichtig.

    Einen “Eingriff in die Ermittlungstätigkeit der Justiz” kann ich z.B. weder bei Schäuble noch bei Schönbohm erkennen. Politisch gefärbte Auslegungen haben für mich keinen Beweischarakter, auch wenn sich Schönbohm tatsächlich zum verbalen Amokläufer zu entwickeln scheint. Je mehr mir aber andere Leute erzählen, was jetzt angeblich unbedingt getan werden müsse, um so mehr bin ich bereit, das Gegenteil anzunehmen. Nenn es ein Charakterdefizit meinerseits, aber ich fühle mich zwischen den Stühlen am wohlsten.

    Übrigens, wenn wir schon von Skandalen reden: Dass eine Claudia Roth in so einer Situation erstmal an die Staatsknete für ihre Klientel denkt, ist in meinen Augen keinen Deut besser als die Präferenz für die Sorge um die Außendarstellung. Auch bei anderen Politikerstimmen würde ich mir wünschen, sie gäben ihrem Hang zur berufsmäßigen Logorrhoe nicht schon wieder nach. Jedenfalls nicht, so lange das Opfer noch künstlich beatmet werden muss.

  10. CrunchyCon
    25.04.2006 | 15:35

    Der ungute Gedanke, dass die Bundesstaatsanwaltschaft den Fall an sich zieht, weil sie Gründe hat, an der Qualität der Arbeit der brandenburgischen Staatsanwaltschaft zu zweifeln, war mir auch schon gekommen. Würde mit den Ausführungen Herrn Schönbohms prima zusammenpassen. Wäre toll, wenn sich da mal eines unserer Mainstream-Medien-Produkte hinterklemmen würde.
    Kudos für die Diskussion hier. Hat doch deutlich mehr Niveau als auf manchen anderen Seiten.

  11. 29.04.2006 | 10:38

    Heitmeyer spricht: Rechte Gewalt und ihre Entstehungsbedingungen…

    Vertiefen tut der Wilhelm Heitmeyer auf heute.de, was ich hier in den Kommentaren und in diversen Einträgen behauptet habe: Daß natürlich die Frage nach dem Rechtsextremismus nicht auf den Organisationsgrad der Täter oder die Frage nach der Gewalt …

  12. 29.04.2006 | 11:48

    Sehr interessant ist dieser Artikel in der Welt http://www.welt.de/data/2006/04/29/880313.html?s=2

    Wahrhscheinlich (mehrere Zeugenaussagen) war alles ganz anders und die beiden Männer wurden provoziert und getreten, woraufhin einer einmal zuschlug. Ermya sei dann unglücklich gefallen.

  13. 29.04.2006 | 16:25

    Dann muss der bisher veröffentlichte Handymitschnitt, der der Version der Welt komplett widerspricht, von jemand anderem stammen oder gefälscht (Mossad, CIA?) worden sein.

  14. 29.04.2006 | 16:54

    @rayson

    ich verstehe nicht viel vom Handymitschnitt und glaube nicht, dass die Welt sich alles aus den Fingern gesogen hat. Abwarten wäre abgebracht, um nachher enstprechend den Ergebnissen zu reagieren. Zu den Leuten, die einen rassistischen Hintergrund benötigen, um sich selber moralisch zu erheben und immer dann Demonstrationen und Lichterketten abhalten, wenn irgendetwas passiert ist und es nichts kostet, die aber die dauerhafte Existenz von “national befreiten Zonen” hinnehmen, hast Du ja schon alles gesagt.

  15. Marian Wirth
    29.04.2006 | 16:55

    Dirk,

    die Einschätzung, das Geschehen habe sich “gänzlich anders” abgespielt, stammt vom Anwalt eines der Beschuldigten. Die Sacherhaltsdarstellung eines Beschuldigtenanwalts ist für mich alles Mögliche, aber eines gewiß nicht: per se “wahrscheinlich”.

    Besonders schön finde ich auch folgende Passage aus dem Artikel:

    …Der Öffentlichkeit war bislang nur eine verkürzte Fassung dieser Mailbox-Aufzeichnung zugänglich.

    Ermyas M. soll sich von seiner Frau mit den Worten “Okay, tschüs” verabschiedet haben. Zu diesem Zeitpunkt sollen ihn die beiden Täter zu Fuß überholt haben…

    Wie soll sich denn aus einem Tonbandmitschnitt ergeben, wer sich wo befunden hat? Und wie hört sich ein Überholvorgang akustisch an? Diese Angaben können also nur von dem Anwalt stammen, da laut dem Artikel die Zeugenaussagen sich auf einen späteren Zeitpunkt beziehen.

    Unwiderlegt sind bisher folgende zwei Tatumstände:

    1. Das Opfer ist von einem einzigen Schlag am Kopf getroffen worden und daraufhin zu Boden gegangen.

    2. Mindestens einer der Täter (ob es sich dabei um die Beschuldigten handelt, spielt dabei keine Rolle) hat das Opfer mehrfach als “Nigger” bezeichnet.

    Daraus folgt für mich sowohl, dass die Tat brutal war, als auch, dass Rassismus als zumindest mitursächliches Motiv nahe liegt. Ich bin mir jedenfalls sehr sicher, dass ich auch dann einen Menschen anderer Hautfarbe nicht mit solchen Vokabeln belegen würde, wenn er mich beleidigt oder zu treten versucht.

  16. 29.04.2006 | 17:08

    Manchmal finde ich es auch ganz gut, einen Juristen an Bord zu haben ;-)

    Mir kommt es hier auf mehrere Dinge an: Erstens, sich nicht auf eine politisch angefeuerte Hysterie einzulassen, die hinter allen Ecken gewaltbereite rechtsextreme Horden herumziehen sieht. Zweitens, Rassismus nicht ebenfalls aus politischem Reflex heraus immer dann kleinzureden, wenn er sichtbar wird. Drittens, Fall und Opfer nicht für die eigene politische Standard-Rhetorik zu instrumentalisieren, weder in Richtung einer Antifa, noch in Richtung des in Wirklichkeit sehr “mainstreamigen” Anti-Mainstream-Media-Geschwafels.

  17. Marian Wirth
    29.04.2006 | 18:41

    Rayson,

    zum einen braucht man kein Jurist zu sein, um einen Text einer Quellenkritik zu unterziehen und Interessenlagen erkennen zu können, zum anderen finde ich dieses Quasi-Meinungsmonopol, dass ich hier “genieße” sehr bedauerlich. Auch beim Lawblog wird es ja erst interessant, wenn mal ein Jurist dem Herrn Vetter widerspricht. Im übrigen sind “brutal” und “rassistisch” unjuristische Wertungen und keine Fachbegriffe.

    Erstens, sich nicht auf eine politisch angefeuerte Hysterie einzulassen, die hinter allen Ecken gewaltbereite rechtsextreme Horden herumziehen sieht.

    Dass wir uns dieses Themas immer nur dann annehmen, wenn die angefeuerte Hysterie-Karawane mehr oder weniger zufälligerweise in dieser Oase haltmacht, trübt leider den Blick dafür, dass es diese Horden gibt und dass sie auch dann umherziehen, wenn sich die Hysterie-Karawane gerade auf dem Weg zwischen der Islamismus- und der Nahrungsmittelskandal-Oase befindet. Ich habe vier Jahre im Osten Berlins gewohnt und im sog. “Fernen Osten” Berlins gearbeitet (Hohenschönhausen); außerdem war ich mehr als einmal in Brandenburg unterwegs. Die Horden gibt es. Und den Alltags-Rassismus, dem für Menschen asiatischer Herkunft ums Verrecken kein anderes Wort als “Fidschi” einfällt, gibt es auch.

    Zweitens, Rassismus nicht ebenfalls aus politischem Reflex heraus immer dann kleinzureden, wenn er sichtbar wird.

    Wer Rassismus gerne kleinreden möchte, sollte das tunlichst gerade und nur dann tun, wenn er im Rampenlicht steht. Insofern folgt das den Regeln der Unpolitik.

    noch in Richtung des in Wirklichkeit sehr “mainstreamigen” Anti-Mainstream-Media-Geschwafels.

    Ja, der Blog-Sub-Mainstream. Ich verspüre ja immer weniger Neigung, mich den Themen zu widmen, die gerade angesagt sind – ob nun in allen RSS-Feeds oder in den TOP 10 bei Technorati. Andererseits verspüre ich immer größer werdende Vorbehalte gegenüber allen Massenmedien. Das zu dauerthematisieren, ist mir zu flach – aber diese pauschale Übernahme von Nachrichtenagenturmeldungen und die Gleichartigkeit der Themensetzung geht mir schon auf die Ketten. Ich meine, monatelang war das Thema “(Kampf gegen) Rechts” praktisch nicht in den Medien präsent – und dafür jetzt mit fünf Artikeln täglich. Mit Darfur ist es übrigens ähnlich: Mitte 2004 waren alle Zeitungen voll davon, seitdem kaum etwas. Und in beiden Fällen gilt: Die faktische Nachrichtenlage hat sich nicht verändert – unabhängig davon, ob man z.B. das Thema “Rechtsextremismus” nun für überhaupt diskussionswürdig hält oder nicht. Mir wäre eine thematisch breiter gestreute und nachhaltigere, gleichmäßigere Berichterstattung lieber.

  18. 29.04.2006 | 18:48

    @Marian

    Für mich liest sich das nicht so, dass sie Information über den längeren Tonbandmitschnitt vom Anwalt stammt. Zweifel erregt allerdings Blutspur an der Bierflasche.

    Ob das mit dem einen Schlag “unwiderlegt” ist, weiss ich nicht. Jedenfalls wäre es deutlich weniger brutal, als vorherige Schilderungen vermuten liessen (Die Anklage auf versuchter Mord kann man dann wohl fallen lassen). Das Wort “Nigger” ist zwar rassistisch, aber die Verwendung dieses Wortes in einem Streit lässt auf nichts schliessen. (Ich verwende es auch ab und zu, wenn ich Kofi Annan im Fernsehen sehe). Letztlich ist es ein Schimpfwort, genauso wie “Schwuchtel” oder “schwule Sau”, was ja auch gefallen sein soll. Die Tat an sich, sollte man zwar nicht relativieren, aber die Empörung über das Wort “Nigger” ist m.E. übertrieben. Anders ist es, wenn alleine schon die Hautfarbe der Anlass einer Beschimpfung ist, wie etwa in Fussballstadien.

    @Rayson

    Ich gebe Dir (bezüglich dieses Beitrages) vollkommen Recht.

    Wichtig ist, dass das Problem Rechtsextremismus nicht geleugnet wird. Genau die Gefahr besteht aber, wenn immer wieder wie z.B. auch im Fall Sebnitz erst einmal gross gegackert wird und sich hinterher herausstellt: Doch nur falscher Alarm. Hätte Schäuble doch nur seinen Kommentar nach dem ersten Satz beendet.

  19. Marian Wirth
    29.04.2006 | 20:36

    Für mich liest sich das nicht so, dass sie Information über den längeren Tonbandmitschnitt vom Anwalt stammt.

    Dazu ein weiteres Zitat aus dem von Dir verlinkten Artikel:

    Weitere Recherchen dieser Zeitung ergeben nun ein noch genaueres Bild der Tat. So gibt es in den Ermittlungsakten aufgezeichnete Gesprächssegmente, die den Streit zwischen den Männern komplettieren.

    Welche Möglichkeiten für Journalisten, direkt oder indirekt aus Ermittlungsakten zu zitieren, fallen Dir denn noch ein – außer dem Anwalt, der im Artikel später wörtlich zitiert wird?

    Ob das mit dem einen Schlag “unwiderlegt” ist, weiss ich nicht.

    Hast Du irgendeine Quelle, aus der hervorgeht, dass es mehr als ein Schlag war? Bisher wird doch gerade der Umstand, dass es “nur” ein Schlag war, quasi als entlastend für den Täter angesehen. Ich sehe das zwar anders, aber das ist eine Wertungsfrage.
    Jedenfalls wäre es deutlich weniger brutal, als vorherige Schilderungen vermuten liessen

    Nö. “Jedenfalls” schonmal bestimmt nicht.

    Das Wort “Nigger” ist zwar rassistisch, aber die Verwendung dieses Wortes in einem Streit lässt auf nichts schliessen.
    Wie Du meinst. Für mich legt der Satz “Wir machen Dich platt, Nigger.” so einiges nahe.

    (Ich verwende es auch ab und zu, wenn ich Kofi Annan im Fernsehen sehe).

    Aha. Danke für die Aufklärung über Deine Fernsehgewohnheiten. Auch wenn ich den Zusammenhang nicht ganz verstehe.

    Letztlich ist es ein Schimpfwort, genauso wie “Schwuchtel” oder “schwule Sau”, was ja auch gefallen sein soll. Die Tat an sich, sollte man zwar nicht relativieren, aber die Empörung über das Wort “Nigger” ist m.E. übertrieben. Anders ist es, wenn alleine schon die Hautfarbe der Anlass einer Beschimpfung ist, wie etwa in Fussballstadien.

    Wenn jemand die Bezeichnung “schwul” verwendet, ohne dass ihm die sexuelle Orientierung des Adressaten bekannt ist, dann ist das etwas anderes, als ob jemand zu einem Schwarzen “Nigger” sagt. Im übrigen empört mich Rassismus nicht, und auch die Weigerung, 13 CD’s mit “rechtem Liedgut” nicht als einen Hinweis für eine rechtsextreme Gesinnung anzusehen (wie es der WELT-Artikel tut) oder die mehrfache und ausschließliche Verwendung der Bezeichnung “Nigger” nicht nur als im Einzelfall rassistische Äußerung, sondern als weiteren Hinweis für eine bestimmte Gesinnung anzusehen (wie Du es tust), erzeugt bei mir keine Empörung, sondern nur Kopfschütteln.

  20. 29.04.2006 | 22:40

    @Marian

    Heute so bar jedes Ironieverständnisses? Ich finde es jedenfalls schon sehr professionell juristisch, wie du die Rolle des Beschuldigtenanwalts siehst. Ums Textverständnis ging’s mir gar nicht…

    Es gibt Rechtsextremismus, aber es gibt ihn nicht in Horden an jeder Ecke. Wir brauchen keine Dramatisierungen. Mir wäre es allerdings auch lieber, man würde über das Auftreten von den Rechtsextremen im Alltag berichten und nicht immer ein spektakuläres Ereignis dazu brauchen. Wie schon auch von Dirk gesagt: Wenn sich im Nachhinein das Ereignis als schlechtes Beispiel entpuppt, liegt dann immer der falsche Umkehrschluss auf der Hand, den sich mancher ersehnt. Die Mediengesetze, die das Hindurchtreiben immer neuer Säue erfordern, sind geeignet, jede ernsthafte Auseinandersetzung mit politischen Themen zu ersticken.

    @Dirk

    Also ich sage noch nicht mal “Neger” (obwohl ich z.B. die Abschaffung des “Negerkusses” lächerlich fand). Warum sollte man jemanden wegen seiner Hautfarbe überhaupt beleidigen können? Die wäre dann ja mein Problem und nicht das des Anderen. Ich gehe daher sehr wohl davon aus, dass jemand, der “Neger” sagt, hinter 30 Jahren gesellschaftlicher Entwicklung zurückgeblieben ist, und dass jemand, der “Nigger” sagt, aus rassistischen Motiven heraus beleidigt, zumal, wenn das Schimpfwort auch noch zur Gewaltausübung “berechtigen” soll.

    Aber wie gesagt, lösen wir uns doch mal vom konkreten Fall und reden wir über den Alltag andersfarbiger Menschen im Osten Deutschlands. Damit kommen wir dem Rassismus viel mehr auf die Spur als durch die aufgeregte Diskussion von einzelnen Fällen.

  21. 29.04.2006 | 22:46

    Wie Du meinst. Für mich legt der Satz “Wir machen Dich platt, Nigger.” so einiges nahe.

    Die Äusserung kenne ich nicht. Aber auch hier ist nicht das N-Wort an sich, sondern die Drohung, die vielleicht durch dieses Wort noch verstärkt wird, das Vielsagende.

    Zusammenfassend: Es ist wenig bekannt, es gibt einen Anfangsverdacht und laut einem Zeitungsbericht auch gemessen am Verdacht entlastendes Material. Ob es sich aber um einen versuchten Mord handelt ist noch unbekannt. Grund genug zur Aufmerksamkeit, aber nicht zur vorschnellem Aktivismus. Da sind wir uns doch einig. Die offene Frage ist jetzt die Zuverlässigkeit des Zeitungsartikels und somit vielleicht die Gewichtung der Unsicherheit.

    Das Wort “Nigger” ist schlimm, wenn es einem Farbigen einfach so hinterhergebrüllt wird, genauso wie das Wort “Schwuchtel”, falls jemand offensichtlich eine andere Orientierung hat, weil es das Signal “Euch wollen wir hier nicht haben” sendet. In einem jedoch bereits bestehenden Streit hat es einfach die Funktion einer Beleidigung. So wie ein dicker Mensch “Fettsack” genannt würde (was ich wiederum sage, wenn ich Kurt Beck im Fernsehen sehe, anstatt Platzeck (-: ).

    Das Wort alleine ist jedenfalls kein Grund für eine Lichterkette, die Tat dagegen wäre ein richtiger Skandal. Es muss aber noch der Konjunktiv verwendet werden.

  22. Marian Wirth
    30.04.2006 | 0:29

    Rayson,

    Heute so bar jedes Ironieverständnisses?

    Manchmal entgeht mir halt was. Wenn das nicht so wäre, könnte ich ja gleich meine eigenen Fürze einatmen.

    Ich finde es jedenfalls schon sehr professionell juristisch, wie du die Rolle des Beschuldigtenanwalts siehst.

    Ich frage mich nur, was sich der Anwalt davon verspricht. In den USA läge die Antwort auf diese Frage auf der Hand – aber dem Gericht dürfte ein Artikel in der WELT relativ wumpe sein. Andererseits mag das zur Generierung von neuen Mandaten taugen. Müsste man mal Herrn Vetter fragen.

    Es gibt Rechtsextremismus, aber es gibt ihn nicht in Horden an jeder Ecke. Wir brauchen keine Dramatisierungen.

    Dass es die Horden an jeder Ecke gibt, habe ich nun auch wieder nicht behauptet. Und die Dramatisierungen entstehen vor allem aufgrund des Karawanen/Dorfsau-Prinzips. Im Moment kommt noch die bevorstehende Fußball WM 2006 (ätsch @ FIFA) hinzu – und im konkreten Fall der Umstand, dass es digitales bzw. digitalisierbares Ton-Material gab. Da der Neonazi-Zyklus so ungefähr 3 Jahre beträgt, schlage ich vor, dass wir 2009 mit einer Video-Kamera durch einschlägige Viertel ziehen (die es auch in NRW gibt) und das erstbeste entstandene Video schön zurechtgeschnippelt bei youtube (oder was auch immer 2009 als folksonomy tool gerade hip sein wird) einstellen. Dann kommen wir ganz groß raus.

    “Erfordern” die Mediengesetze das wirklich?

    Um noch ein anderes Beispiel zu nennen: Du kannst Dich sicher noch an unsere “kleine” Diskussion zum Fall Jessica erinnern. Ein paar Wochen später gab es in Düsseldorf einen Prozess gegen eine Mutter, die ihr Kind langsam hat verhungern lassen (weil sie es nicht mochte) und die auch trotz erkannter Todesgefahr keinen Arzt verständigte (weil sie nicht krankenversichert war). Das Thema fand überregional kaum (oder auch: gar keine) Beachtung. Warum nicht? Weil der Tatort Düsseldorf war – und nicht Brandenburg? Oder weil das Empörungssegment Kindesvernachlässigung gerade erst durch den Fall Jessica erschöpfend abgedeckt war?

    Wie auch immer: Mich nervt diese Konzentration auf ein Thema jedenfalls.

  23. 30.04.2006 | 0:40

    Wenn das nicht so wäre, könnte ich ja gleich meine eigenen Fürze einatmen.

    Versuch’s ruhig mal. Ist gar nicht so übel.

    Mich nervt diese Konzentration auf ein Thema jedenfalls.

    Damit dürftest du nicht allein sein. Auch nicht mit der Enttäuschung darüber, dass die Blogosphäre sich im Grunde unnötig genau denselben Gesetzen unterwirft. Was hindert uns eigentlich daran, die Themen aufzugreifen, über die nicht woanders heftigst diskutiert wird?

  24. Marian Wirth
    30.04.2006 | 1:01

    Versuch’s ruhig mal. Ist gar nicht so übel.

    Oh my, wie soll das erst werden, wenn Du Dir wirklich einen Hybrid zulegst! Müssen wir dann jeden neuen Eintrag mit “Gooood for youuu!” beenden?

Bad Behavior has blocked 1090 access attempts in the last 7 days.