Globalisierung und Islam, Abschweifungen inklusive

Durch einen Eintrag im TransatlanticForum über “Islamische Welt und Globalisierung” und die sich im dort verlinkten FAZ-Artikel befindende Grafik bin ich wieder an einige Blog-Einträge von zwei ägyptischen Bloggern aus den Zeiten des Mohammed-Karikaturenstreits erinnert worden.

Big Pharao und Sandmonkey sind zwei ägyptische “Nestbeschmutzer”, die in sehr…ähem…umgangssprachlichem Amerikanisch ihre Finger in die Wunden der islamischen Welt legen – und dafür naturgemäß jede Menge Kritik von ihren eigenen Leuten einstecken und viele Fragen beantworten müssen. Sandmonkey hat in einem Eintrag die sieben häufigsten Fragen beantwortet. Eine davon zielte darauf ab, dass er als Muslim doch sicher auch daran interessiert sei, dass die Grundsätze des Islam fortbestünden und in der ganzen Welt verbreitet würden. Seine Antwort:

Ehh, sure, when we set an example of by following and spreading the Islamic religion’s principles in the middle-east first. Let me elaborate by telling you a story.

I was sitting with one of the Islamic scholars that goes and tries to spread Islam in the west. A really well educated old guy with perfect English and everything. He told me that in his last trip he went with a group of muslim scholars to spread the religion, they formed a Seminar on Islam, where they presented the usual Islamic marketing points: Islam is the religion of Peace, Islam is the religion of Knowledge, Islam is the religion of Democracy, etc etc. It was all going well until the Q&A segment of their seminar and then the questions started.

(…)

‘You guys say that Islam is the religion of Knowledge and that it encourages seeking knowledge and science. Can you tell us how many Nobel prize winners in the past 100 years were muslims or came from muslim countries?’ They couldn’t answer. Then the next question came ‘You say that Islam is the religion of democracy. Can you tell us how many Islamic countries in the world that are democracies?’ And the Imams were like ‘Shit!’. He told me that they couldn’t answer, that they were cornered and their argument defeated by the behavior of muslims worldwide. He lamented that naturally those people wouldn’t believe that Islam is the religion of all those things, when almost none of the muslim countries employ those principles themselves. I mean, how could they?

Und Big Pharao stellt fest:

We are a defeated nation. Defeated in almost all areas of life. This is the reason why we search, in fact we sniff, for any victory, no matter how fake it turns out to be. Our inability to achieve real and beneficial triumphs forces us to accept illusionary victories that we accept without any rational thinking. In addition, we have the horrible habit of blaming others for our defeats, and since these days we look at everything through the prism of religion, we direct our blame at the Western world.

We are the complete opposite of the Japanese who lost their empire yet made a U-turn and became a world economic superpower once again. They made their U-turn by asking themselves the crucial questions of “what went wrong?” and “how can we fix it?”. They didn’t blame the west but rather copied the west and excelled over it in many areas. The Germans have done the same thing. They have looked in the mirror and accepted defeat and worked on finding a solution out of it. Our problem is that we don’t have a mirror to look at. We think we, such poor wretched souls, are being attacked from all directions and the whole world wants to suck our oil and terminate our religion. We are consumed by these thoughts, we definitely have no time to look at the mirror.

Ich stimme zwar mit ihm nicht darin überein, dass die Deutschen sich die Fragen: Was ist schief gelaufen? Und wie können wir es wieder reparieren? gestellt haben; das haben vielmehr die Amis für uns gemacht. Aber immerhin haben die allermeisten Deutschen sowohl die Fragen als auch die Antworten der Amerikaner nach dem Krieg akzeptiert.

Die Auffassung, die Deutschen hätten aus Krieg und Nationalsozialismus das Richtige gelernt, ist übrigens in China absolut herrschende Meinung: “Ach, ihr Deutschen habt aus euren Fehlern gelernt und euch entschuldigt und Wiedergutmachung geleistet. Nicht so wie diese dummen, arroganten Japaner!”

Ich bin da entschieden anderer Meinung (was jetzt kommt, schreibe ich, trotz anhaltender Diskursunlust,  nur, damit der nette Linke von nebenan mir nicht wieder Meinungslosigkeit attestiert; lieber wäre mir, ich könnte mich auf meine negative Meinungsäußerungsfreiheit berufen – aber die ist ja offenbar für Blogger eingeschränkt):

Wir haben es zugelassen, dass die Beschäftigung mit der deutschen Vergangenheit weitgehend auf zwölf Jahre reduziert wurde, wir haben echtes Erinnern durch Betroffenheitsrituale der Staatsspitze ersetzt (und mit diesem unsäglichen “Holocaus-Mahnmal” diesen Ritualen auch noch ein Haus gebaut, das jetzt schon als Touristenattraktion und Werbefilmkulisse herhalten muss) und wir haben es auch nach 57 Jahren nicht geschafft, uns eine Verfassung zu geben.

Das habe in China natürlich für mich behalten. When in Rome…

Aber zurück zum eigentlichen Thema: Ich finde, dass einige arabische Blogger und Bloggerinnen durchaus die richtigen Fragen stellen und auch richtige Antworten geben; ich habe hier nur zwei erwähnt, aber da draußen sind noch jede Menge von der Sorte. Und ganz ehrlich: Ich lese diese Art von Kritik am Islam, die aus den Ländern selber kommt, lieber, als den 20. FAZ-Artikel von Necla Kelek oder die 37. Jubelarie auf Ayaan Hirsi Ali in irgendeinem deutschen Blog.

Die offizielle ägyptische Version zum Umgang des Westens mit den islamischen Ländern findet sich z.B. hier in Al Ahram: Islam and Globanalisation. Danach ist die Diskriminierung des Islam eine einzige Verschwörung von weißen, rassistischen Angsthasen.

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11 Kommentare zu “Globalisierung und Islam, Abschweifungen inklusive”

  1. 7.04.2006 | 11:42

    Was mich für ein liberales Blog insgesamt sehr wundert, das ist diese verbissene und überaus eifrige (!) Auseinandersetzung mit “dem” Islam.

    Ich kann ja noch gut verstehen, zumal wir Liberalen uns als strikt anti-totalitär verstehen, dass man sich (und das ist etwas völlig anderes) mit “dem” Islamismus beschäftigt.

    Das ist aber Zweierlei, oder?

    Meine persönliche Wirklichkeit und die Wirklichkeit in unserem Land werden ohnehin nicht vom Islamismus geprägt. Das bisschen Terror – da lache ich doch drüber! Mich interessieren auch die unterschiedliche debilen Vorstellungen von Religion in anderen Ländern, ehrlich gesagt, so gut wie garnicht. Und die Fragen z.B. eines sicheren Autoverkehrs oder der Krebsvorsorge dürften mit Abstand bedeutsamer sein.

    Aber euch! *staun*

    Ich habe meine Religion, und daher keinen Bedarf an “Islam”. Vielleicht ist das bei manchen von euch anders. Mein religiöses Interesse ist vollauf gedeckt, und zwar woanders (lässt sich über die Links auf meiner Webseite auch prima nachvollziehen, falls ihr neugierig seit). Ich weiß auch in etwa, was bei uns im Land abgeht, und insgesamt macht mir der Bereich der Religion bei uns nun ganz und überhaupt gar keine Sorgen, wenn man mal vom Bereich der Sekten absieht, oder von einigen religiösen Eiferern (die es übrigens rein zahlenmäßig nicht nur bei einheimischen Muslimen gibt). Religiöse Sekten sind i.d.R. freiheitsvermindernd – und insofern das Hauptproblem im Bereich der Religionen.

    Das wäre für mich das relevante Oberthema, und islamistische Sektiererei wäre dann ein Unterthema. Scientology und andere wären andere Unterthemen, durchaus bedeutend, wenn man einfach sieht, wieviele Anhänger darunter diesen Formen geistig-religiösen Betrugs leiden müssen.

    Aaaber: All das ist bestimmt nichts, wozu ich in jeder Woche neue Beiträge und Gedanken veröffentlichen müsste.

    Geht es euch nicht vielleicht auch um Stigmatisierung “des” Islams? Rechnet ihr euch quasi zur “Anti-Islamfront”, und das als Liberale ???

    Ressentimtent gegen “den” Islam verbreiten als politische Aufgabe und persönliche Vision?

    Das frage ich mich immer wieder, verzeiht mir die offene Frage. Also, einige von euch interessieren sich in der Sache praktisch garnicht für die Religion Islam. Muslime in meinem Land frage ich gelegentlich dies oder das, aber irgendwie aufregend finde ich das nicht, was ich dann höre.

    Bei uns gibt es z.B. allerhand Aleviten. Darüber habe ich bei euch noch nichts gelesen. Muss ich mir über die islamischen Aleviten nun Sorgen machen? Und wie ist es beim türkisch geprägten Islam, oft kombiniert mit einem moderaten Kemalismus? Was meint ihr dazu? Liegt hier eine Gefahr für unsere Demokratie? Oder ist es umgekehrt? Und wie ist es z.B. mit dem Bereich der politisch sehr aktiven Messianics?

    Ach, für euch völlig und in jeglicher Hinsicht uninteressant, weil da “christlich” ist und nicht “Islam”?

    Eurer Interesse zielt, und das ist mein Vorwurf, nicht auf den Islam, sondern “den” Islam, im Sinne einer gezielt stigmatisierenden Darstellung.

    Ich halte das nicht für liberal.

  2. 7.04.2006 | 16:17

    @Dean

    Verbissen? Na ja, ich habe den Eindruck, du hast gerade wieder eine deiner Schubladen aufgezogen und wartest auf die richtigen Stichworte, um andere Meinungen da unterbringen zu wollen. Tu dir keinen Zwang an.

    Es ist natürlich etwas ungeschickt, einen solchen Vorwurf gleich mal als generalisierenden vom Stapel zu lassen – wir beobachten so, dass du das, was du anderen vorwirfst, zunächst mal selbst praktizierst. Dabei hätte sich Marians Beitrag doch als konkrete Diskussionsgrundlage angeboten. Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass Marian hier auf zwei ägyptische Blogger hinweist, die offenbar selbst eine konkrete Vorstellung von “dem Islam” haben. Es dürfte sich hier zweifellos um den Islam handeln, den sie kennen: den orthodoxen sunnitischen Islam. Dieser Islam, dem sie in ihrem Alltag überall begegnen, ist das Ziel ihrer Kritik.

    Dass du aus dem Umstand, dass Marian auf diese Blogger hinweist, eine “Anti-Islam-Front” basteln willst, ist mir unverständlich.

    Ok, wir haben hier auch schon andere Beiträge verfasst, in denen es um Islam und Islamismus geht – das Thema ist leider aus unserer Sicht politisch doch relevant. Sei es, weil wir über das bisschen Terror z.B. in Madrid überhaupt nicht lachen können (das mit der Häufigkeit anderer Todesursachen relativieren zu wollen, ist hochgradig zynisch), sei es, weil er offensichtlich schon die Macht hat, europäische Zeitungen mundtot zu machen, sei es, weil Menschen, die apokalyptischen Endzeitvisionen denken, demnächst ihre Hand an der Atombombe haben werden. Aber da musst du schon den jeweiligen Autor auf seinen Beitrag konkret hin ansprechen: Wir vertreten keine Einheitslinie, sondern immer nur unsere ganz persönliche Meinung.

    Im Übrigen ist es ziemlich witzlos, uns die Themen vorzuwerfen, über die wir bloggen. Das ist nämlich genau der Sinn der Veranstaltung: Wir schreiben über das, was uns interessiert. Ein Aufsichtsgremium mit gesellschaftlich relevanten Gruppen haben wir noch nicht, deswegen ist leider alles, was wir schreiben, durch unsere eigenen Gedanken hoffnungslos subjektiv, ungerecht und unrepräsentativ. Schicksal.

  3. 7.04.2006 | 21:59

    Es ist witzlos, aneinander vorbei zu reden – das sogar sicher. Mein Vorwurf zielt nicht auf das Interesse am Islamismus (wobei ich mich ja doch wundern darf, warum ihr Nichtmuslime euch dafür so sehr interessiert, sondern im illiberalen Stigmatisieren von “dem” Islam.

    Die Art, mit der sich mit dem Islam auseinander gesetzt wird, ist nun einmal nicht redlich, Rayson.

    Sie stigmatisiert und dient der Stigmatisierung.

    Liberale machen sowas nicht.

    Stell dir – nur mal so als Hilfskonstruktion – vor, auf die gleich Weise, in der gleichen Intensität würde sich ein Liberaler mit “dem” Judentum auseinandersetzen, und zwar ausschließlich mit den Aspekten, die ihm misfallen, oder die er mit “dem” Judentum verwechselt.

    Guck dir doch einfach mal in eurem Blog die ganzen “islamkritischen” Beiträge durch – und überlege dir, wie der Wortlaut wäre, wenn stattdessen das Judentum zum Ziel gemacht worden wäre.

    Probier das mal! Und dann sag mir, ob du dann besser verstehst, was ich meine.

  4. 9.04.2006 | 12:23

    @Dean

    Du bleibst immer noch jeden Hinweis schuldig, wo du konkret “Stigmatisieren” feststellst. Auf weiteres rein pauschales Abqualifizieren werde ich jedenfalls nicht mehr eingehen.

  5. 16.04.2006 | 23:46

    Stigmatisieren ist allein schon das ständige Dauerthematisieren einer totalen Randthematik, welche für dieses, unser Land real weniger Bedeutung hat als z.B. die Regelungen zur Höchstgeschwindigkeit auf den Autobahnen.

    Wenn, dann müsste sich das Interesse auf türkische Imame und die spezifisch türkische Ausprägung des Islam richten. Blöd nur für euch, hat irgendwie nicht so sonderlich viel mit Bomben, Terror oder Wahabismus zu tun.

    Und sorry, man kann ja wohl mal nachfragen, woher dieses hochintensive und hysterische Islaminteresse kommt, das seltsamer Weise stets nur nach den Problematischen Seiten einer diesländischen Randreligion sucht.

    Hey: Was ist so spannend für Dich am Islam?

    Ich persönlich finde ihn ziemlich langweilig. Und die immense Vielgestaltigkeit islamisch beeinflusster Denk- Gefühls- und Politrichtungen erschwert zumindestens mir pauschale Aussagen über “den” Islam, wie ihr “Prowestliche” (*hüstel*) sie so gerne vornehmt.

    Ich bezweifel, dass die bloggende Teilnahme an einer hysterischen Anti-Islamfront auch nur ansatzweise etwas mit “Liberalismus” zu tun hat.

    Nicht eine Schnitte.

  6. 18.04.2006 | 20:53

    Auch wenn du es heruntereden willst: Wenn Menschen andere Menschen aufgrund ihres Glaubens mit dem Tod bedrohen und dies ein paar Mal auch schon durchaus beeindruckend praktiziert haben, dann hat das eine ganz andere Bedeutung als Tote auf der Autobahn. Und wenn es inmitten unseres Landes Gegenentwürfe zur Verfassung gibt, sollte man sich damit auch beschäftigen. Aber vielleicht bist du ja auch dafür, dass man sich auch mit Neonazis nicht mehr auseinandersetzt – das wäre dann immerhin so konsequent wie falsch.

    Offensichtlich mangelt es dir an konkreten Ansatzpunkten, um deine These der Stigmatisierung zu bestätigen, weswegen du die Beschäftigung mit dem Thema selbst schon zum Tabu erklären möchtest. Komischer Ansatz. Und komisch, was für dich schon “ständiges Dauerthematisieren” ist.

    Blöd nur für euch, hat irgendwie nicht so sonderlich viel mit Bomben, Terror oder Wahabismus zu tun.

    Weißt du, wo du dir diese Bemerkung hinstecken kannst? Aber ich will dir nicht Unrecht tun: Du schleppst ja gerade wieder deine rhetorischen Strohmänner mit dir rum – was wir tatsächlich konkret geschrieben haben, würde dich vermutlich in deiner flüssigen “Argumentation” zu sehr behindern…

  7. 13.07.2006 | 10:40

    @ Dr Dean

    So einfach ist die Welt nicht, daß man sich von der Thematik des militanten Islamismus eionfach so abwenden kann, umn fortan Nabelschau zu berteiben. Der arabische und asiatische Bevölkerungsanteil muslimischen Glaubens ist hier recht bedeutend und die Verbreitung radikalen Gedankenguts ist nachweislich vor unserer Haustüre auf dem Vormarsch – oder wird behördlich ignoriert und damit toleriert. Also handelt es sich schon um ein generelles Thema, das zu bedenken ist, denn es geht um die strategische Behandllung des Themas, das sehr schnell in wenigen Jahren zu unserem Hauptproblem werden könnte

    Generell muß ich Dir aber Recht geben. Hier wird leider zu wenig unterschieden zwischen den sehr, sehr unterschiedlichen Strömungen des islamischen Glaubens. Was ein Ägypter schreibt hat innerhalb der islamischen Welt einen völlig anderen Stand- und Ausgangspunkt als die Meinung eines Persers, eines Libanesen oder gar Saudis – um nur die konträrsten Großpole dieser Glaubensrichtung zu benennen.

    Man m uß Meinungsäußerungen in diesem Bereich merhmals mit der Goldwage wiegen, um sie dann wirklich als Argument stehen zu lassen. Nirgends ist der intellektuelle Hintergrund, die lokalen Traditionen und Meinungen so sehr wichtig und unterschiedlich , wie in der islamischen Welt. Das können wir Christen mit unserer homogenen Glaubensform und -tradition nicht einfach nachvollziehen.

    Daher plädiere ich hier auch für einen sehr, sehr vorsichtigen Umgang mit den Meinungen, bevor man sie als “islamische” Stellungnahmen darstellt. Man befindet sich hier auf sehr glattem Parkett.

    @ Rayson
    Die Beiträge haben schon eine nicht ganz von der Hand zu weisende Tendenz “den Islam” zu beschreiben. Das ist ja auch nachvollziehbar, da wir ja auch – trotz Untzerschieden im Detail, von “dem Christentum” sprechen können.
    Leider verhält es sich nicht so mit dem Islam.

    Zwei Leseproben.
    1. aus dem Blog:
    “Ich lese diese Art von Kritik am Islam, die aus den Ländern selber kommt, lieber, als den 20. FAZ-Artikel von Necla Kelek oder die 37. Jubelarie auf Ayaan Hirsi Ali in irgendeinem deutschen Blog.”

    2. Dein Beitrag:
    “Wenn Menschen andere Menschen aufgrund ihres Glaubens mit dem Tod bedrohen und dies ein paar Mal auch schon durchaus beeindruckend praktiziert haben, dann hat das eine ganz andere Bedeutung als Tote auf der Autobahn”

    Letztere Antwort impliziert geradezu, daß man mit Islam Gewalt verbinden muß – und das ist schon – mit verlaub – recht platt.

    In den Beiträgen des Blogs zum Thema “Islam – Islamismus” steckt leider ein qualitatives Problem. Das Thema ist wirklich sehr, sehr komplex und hat viele Nebenstränge. Es erfordert schon ein gewisses Maß an Detailkenntnis, um dem Phänomen des Islamismus auf den Grund zu gehen, insbesondere Kenntnis der sehr unterschiedlichen Traditionen innerhalb des Islam und die Schwerpunktverschiebung, die es in diesem Zusammenhang in den vergangenen 30 Jahren gegeben hat. Ohne diesen Background ist es schwer, nicht in die Verallgemeinerung abzugleiten.

    Als einleitende Literatur kann ich immer nur Lawrence of Arabia “Die sieben Säulen der Weisheit” empfehlen, siwe diverse Bücher -so sehr konträr der Mann auch diskutiert wird – von Peter Scholl-Latour empfehlen. Beide Autoren stellen die Vielschichtigkeit und die aus regionalen Traditionen entspungenen Widersprüchlichkeit der Islamischen Welt sehr gut dar.

  8. 13.07.2006 | 13:55

    @Carsten

    Tut mir leid, aber ich finde Beiträge, die sich darauf beschränken, anderen notwendige Detailkenntnisse abzusprechen, nicht besonders erquickend.

    Es ist für das, was für uns relevant am Islam ist, nämlich dessen politische Dimension, nicht entscheidend, wieviele Spielarten es irgendwo gibt. Für uns ist entscheidend, in welcher Form uns Islam gegenübertritt, mit welchen Forderungen und mit welchen Handlungen.

    Da geht es nicht nur um Terrorismus, sondern auch um die Hoheit über die Regelungen weltlicher Dinge, angefangen von Meinungsfreiheit über Frauenrechte bis hin zum Verhältnis zu Nichtmuslimen. Die Frage, die man sich als denkender Mensch einfach stellen muss, ist, ob der Islam, der versucht, archaische Gesetze durchzusetzen, der Glaubensabfall mit dem Tod bedroht und der seinen Anhängern freistellt, die Ungläubigen zu töten, ob also dieser Islam nur eine Verirrung der Geschichte ist oder ob er sich gar zu Recht auf den Koran berufen kann. Und wenn ersteres zutrifft und letzteres nicht, warum er dann diese Bedeutung erlangen konnte, die er hat – von seiner Verbreitung und seiner politischen Durchschlagskraft her.

    Diese Diskussion kann man nicht mit der Berufung auf angebliche höhere eigene Kenntnis abwürgen, der muss man sich stellen oder es bleiben lassen.

    Wenn du in der Interpretation von Glaubensinhalten ähnlich vorgehst wie bei den Beispielen, mit denen du uns eine Tendenz gegen “den Islam” (ich dachte, den gibt es nicht??) unterstellst, dann können wir es aber auch gerne bleiben lassen. Aus dem Zusammenhang gerissene Zitate und fälschende Umdeutungen braucht hier kein Mensch. Nur zur Illustration:

    ad 1. Dieser Satz wendet sich gegen eine populäre Islamkritik und sollte doch eigentlich deiner Forderung, auf die Leute zu hören, die sich mit dem Islam auskennen, entgegenkommen. Aus unserer Sicht ist es übrigens normal, dass an Religionen Kritik geübt wird.

    ad 2. Das ist eine Erwiderung auf die dämliche Frage, warum uns das Thema “Islam/Islamismus” mehr interessiert als die Autobahntoten. Sie sagt nicht, dass man Islam mit Gewalt verbinden muss, sondern dass gewisse Menschen das in letzter Zeit tun. Sie töten recht wahllos andere Menschen und berufen sich dabei auf den Islam. Auch wem das nicht passt, er muss es doch als Fakt akzeptieren.

    Im Übrigen bin ich mir ziemlich sicher, dass du die zahllosen Beiträge hier, in denen wir der Hoffnung Ausdruck verleihen, eine gemäßigte Interpretation des Islam könnte sich irgenwann durchsetzen, absichtlich oder unabsichtlich überlesen hast.

    Und geh bitte davon aus, dass die Autoren dieses Blogs sich über das, worüber sie schreiben, vorher informieren. Auch in Büchern.

  9. Carsten
    18.07.2006 | 18:49

    @Rayson

    anhand der geschriebenen Texte, die ich durchaus gelesen habe, sowie Deiner Antwort, kann ich fundierte Detailkenntnisse über den islamischen Gkauben leider nicht erkennen. Diese sind durchaus sehr wichtig, will man sich mit der Lösung des überuas vertrackten Problems nähern.

    Aber wie dem auch sei – so ist das schöne neue WIKI-Leben nun einmal. Es müssen nur genug Menschen meinen, dann ist es irgendwann wahr und wissen muß keiner mehr.

  10. 18.07.2006 | 19:18

    @Carsten

    Einfach nur zu behaupten, ich wüsste nicht genug, ist ziemlich dürftig. So lange du nicht konkreter wirst und anfängst zu argumentieren, kann ich deine Einlassungen leider nicht sonderlich ernstnehmen.

  11. 25.01.2007 | 14:15

    [...] Dies sieht zumindest Robert von Heusinger vom Zeit-Herdentrieb anders: Wenn das deutsche Wachstum im ersten Quartal nur stagnieren sollte, wäre das als kleines Wunder einzustufen. Denn eine Mehrwertsteuererhöhung von drei Prozentpunkten ist eigentlich dazu angetan, eine Volkswirtschaft in die Rezession zu stoßen – mutwillig und unverantwortlich. Toll, Peer Steinbrück. [...]

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