Die Unbeschwertheit des Untertanen

So weit ich mich an meine Studentenzeit in Deutschland erinnere, waren Jura-Studenten eher von der angepassteren Sorte, bürgerlich gekleidet und studentischer Revoltierneigung recht unverdächtig. In Frankreich ist das wohl anders, denn dort findet sich an der Spitze der Protestbewegung gegen die staatlichen Pläne zu Deregulierung des Arbeitsmarktes für Jugendliche ein Jura-Student.

Bruno Julliard heißt er. Und er fordert für die französische Jugend das Recht auf Unbeschwertheit.

Das klingt zuerst einmal rührend. Sieht man genauer hin, offenbart sich in dieser Denkweise ein, für französische Verhältnisse vielleicht typischer Untertanengeist.
Wobei der französische Untertan eher revoltierend-revolutionär auftritt und nicht die demütig-unterwürfige Haltung einnimmt, die für den deutsche Untertanen-Typ charakteristisch sein mag. Die Revolte ist aber dabei ohne emanzipatorisches Ziel, sie verlangt nach Almosen.
Die französischen Untertanen bitten den Staat, er möge Sorge für die Erhaltung der schönen, heilen Welt tragen. Damit geben sie ihre Überzeugung zu erkennen, dass nur er diese Leistung erbringen kann.

„Meine Generation ist einer Welt von unbeschreiblicher Gewalt ausgeliefert, in der die Angst vor morgen die natürliche Dynamik der Jugend hemmt”
Quelle: (1)

Die “natürliche Dynamik” der französischen Jugend ist anscheinend nicht ausreichend stark oder selbstbewusst, eigenständige Lösungen zu suchen und die Angst zu bekämpfen. Der jugendliche Elan reicht gerade einmal dazu, die Flucht unter die Fittiche von Vater Staat anzutreten.

Letzterer hat in der Vergangenheit allerdings auch alles dafür getan, aus seinen Bürgern die oben beschriebenen Untertanen zu machen. Und er konnte – in einer Zeit, in der die armen Länder der Welt nicht Wettbewerber sondern (auch sie) nur bequeme Almosenempfänger waren, mit boomender Wirtschaft aus den Vollen schöpfen.

Das ist vorbei. Der Staat merkt es langsam und wünscht sich jetzt vielleicht (und leider recht spät) Bürger, die verantwortlich an Problemlösungen herangehen.
Die Bürger haben ihre unbeschwerte Untertanen-Rolle lieben gelernt. Sie wollen, dass weiter für sie gesorgt wird.

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Quelle: FAZ

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