Für Märchenfreunde

Für alle, die an die US-Regierung als Musterbeispiel eines Streiters für Freiheit, Demokratie, Welthandel und Marktwirtschaft glauben:

US-Regierung fordert von EU “faire Behandlung” für Microsoft

Nur am Rande vermerkt: Die Konkurrenz, der eine “unfaire Behandlung” zupass käme, besteht ebenfalls aus US-Firmen. Man kann der US-Regierung also noch nicht einmal ein Eintreten für die Interessen der Wirtschaft ihres Landes vorwerfen. Nein, es geht ganz simpel um Lobbyismus für ein ganz bestimmtes Unternehmen.

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15 Kommentare zu “Für Märchenfreunde”

  1. Boche
    31.03.2006 | 15:23

    Zwei Fragen:

    1. Ist es tatsächlich ausgeschlossen, dass die EU Microsoft unfair behandelt?

    2. Wenn man den Fokus von der Innen- in die Außenpolitik verschiebt und gedanklich Parteien durch Staaten ersetzt – übst du dich hier nicht ein wenig in Unpolitik?

  2. 31.03.2006 | 15:40

    Zwei Antworten:

    1. Warum sollte die EU das tun? Aber nein, ausgeschlossen ist es natürlich nicht.
    2. Warum? Mich stört der ziemlich unmaskierte Einsatz eines Staatsapparats zugunsten eines ganz bestimmten Unternehmens, noch dazu eines, das ein Quasi-Monopol besitzt.

    Gegenfrage zu 1.: Selbst wenn, was geht es die US-Regierung an?

  3. Boche
    31.03.2006 | 15:47

    Warum sollte die EU das tun?

    Warum sollte die USA das entgegengesetzte tun? ;-)
    Diese Gegenfrage ist nicht überzeugend.

    zu 2.: Klar, da sind wir (so die US-Vorwürfe denn tatsächlich vorgeschoben sind) auch auf einer Linie. Meine Unpolitik-Anmerkung betraf auch eher die Polemik über glaubende Märchenfreunde.

    zur Gegenfrage: Wenn die Vorwürfe stimmen, steht der Einsatz für fairen Wettbewerb doch jedem gut zu Gesicht, oder?

  4. 31.03.2006 | 17:04

    Diese Gegenfrage ist nicht überzeugend.

    Ob überzeugend, lasse ich mal offen. Berechtigter allemal, denn während ich mir den Einsatz der US-Regierung ganz normal aus dem Eigennutz handelnder Personen erklären kann, fiele mir das bei einem bewusst “unfairen” Verhalten der EU-Organe schwer.

    Wenn die Vorwürfe stimmen, steht der Einsatz für fairen Wettbewerb doch jedem gut zu Gesicht, oder?

    Wenn dieser jemand glaubwürdig wäre.

  5. 31.03.2006 | 17:07

    Wenn die EU-Kommission mit dem gleichen Eifer tatsächliche Monopole, nämlich staatliche, wie etwa dsas Postmonopol, oder staatliches Zwangsfernsehen, bekämpfen würde hätte ich ja dagegen nichts einzuwenden. So aber wird ein Unternehmen, welches kein Monopol besitzt (das Konkurrentprodukt ist kostenlos im Internet erhältlich) bürokratisch gegängelt. Als nächstes soll Microsoft vielleicht das Betriebssystem von der graphischen Benutzeroberfläche trennen.

    Ich glaube nicht, dass die EU-Kommission bei einem französischem Unternehmen genauso verfahren würde.

  6. 31.03.2006 | 17:24

    @Dirk

    Es ist ein Quasi-Monopol. Wie hoch ist der Anteil der PCs, die mit vorinstalliertem Betriebssystem geliefert werden und wie hoch ist davon der Anteil von MS? Wieviele Hardware-Hersteller legen ihren Produkten andere Treiber als die für Windows bei?

    Es ist mittlerweile gerichtsnotorisch, dass MS mit monopolistischen Methoden für seine Dominanz gesorgt hat (Knebelverträge, Netscape-Dumping). Diese einmal etabliert, bestehen extrem hohe Marktzutrittsschranken für konkurrierende Anbieter, da für die Nutzer ein Wechsel mit äußerst hohen Kosten verbunden wäre. Hinzu kommt noch, dass MS immer mehr Anwendungen, die ursprünglich von anderen Unternehmen entwickelt wurden, allein dadurch vom Markt fegt, dass es sie mit seinem Betriebssystem kombiniert, das (s.o.) auf den meisten Rechnern schon vorinstalliert ist.

  7. 31.03.2006 | 18:01

    Microsoft kann keine Preismacht. Die Kunden bezahlen den Preis, weil Microsoft ein gutes Produkt ist un den Preis wert,nicht jedoch, weil sie Alternativlos sind.

    Einem Autohersteller wirft man ja auch nicht vor, die Sitzbezüge direkt mitzuliefern und verdonnert sie in Zukunft Autos nur noch ohne Fussmatten auszuliefern. Microsoft dagegen schon.

  8. Marcel
    31.03.2006 | 23:11

    @Dirk
    Ob die Maßnahmen der EU gerechtfertigt sind oder nicht, weis ich nicht. Ich bezweifle es allerdings.
    Aber deine Relativierung der Monopolposition ist in ihrer Argumentation natürlich verkürzt. Du ignorierst 1.die psychologische Komponente. Konformität bedeutet Sicherheit. Und 2. übersiehst du die Schwierigkeiten für andere Anbieter, ein anderes Produkt überhaupt in das Bewusststein der Menschen zu bringen, weil Microsoft so präsent ist.
    Bleibt für mich das Fazit: Das Monopol Microsofts wird dann fallen, wenn sie beginnen, zu viele Fehler zu machen.

  9. Rayson
    31.03.2006 | 23:35

    @Dirk

    Natürlich hat Microsoft Preismacht, und zwar die eines Monopolisten. Übrigens nicht nur bei Betriebssystemen, sondern auch bei Office-Paketen. Nicht-nerdige Privatkunden haben meist gar keine Chance, ein anderes Betriebssystem vorinstalliert zu bekommen (versuch das mal in den einschlägigen Läden, besonders bei Aldi…) und meistens wollen sie es auch nicht. Aber nicht etwa, weil sie in einem nüchternen Vergleich die Vor- und Nachteile von Windows, Linux oder MacOS abgewogen hätten, sondern einfach,weil der Nachbar oder Freund, mit dem man sich und anderes gerne austauschen möchte, auch Windows auf der Kiste hat. Und im Betrieb auch Windows installiert ist, weil der Unternehmer sich die Probleme, die ein Umschulen neuer Mitarbeiter und ein Konvertieren von Dateien mit sich brächte, sich natürlich nur im Notfall leisten würde. Seine Windows-geschulten Fachleute und “Power-User” jedenfalls werden ihm das nicht nahelegen.

    Und bitte wer unter den Normalanwendern würde es wagen, bei einem so erklärungsbedürftigen Produkt (man beachte die Zahl der sich damit beschäftigenden Zeitschriften) wie einem PC ein einmal laufendes Betriebssystem während der Garantiezeit durch ein anderes zu ersetzen? Nach Ablauf der Garantie hat dann jeder schon so viele Programme installiert, Dateien erzeugt und Know-how erworben, dass ein Wechsel reiner Masochismus wäre.

    Warum habe ich bei mir noch Windows in einer VM laufen, obwohl ich lieber mit Linux arbeite? Weil es dafür einfach einige Programme gibt, die es für Linux nicht gibt, und weil mir einige Menschen Dateien in proprietären Formaten zuschicken. Die Logik dahinter ist teilweise auch die der Virenprogrammierer – wer Erfolg haben will, muss auf die vorhandene Masse zielen.

    @Marcel

    Das Monopol Microsoft kann nur durch politischen Druck abgeschafft werden. Zum Beispiel durch den Zwang, Schnittstellen offenzulegen, standardisierte, offene Dateiformate zu verwenden und durch einen Umstieg staatlicher Stellen wie z.B. in München auf OSS (sei es nun Linux oder ein BSD).

  10. 31.03.2006 | 23:38

    @Marcel

    Konformität und Sicherheit sind dann für diese Kunden Qualitätsmerkmale, die sie wünschen. es ist doch völlig unerheblich, ob man sich aus rationalen Gründen für Microsoft entscheidet oder nicht – wer will überhaupt darüber richten.

  11. 31.03.2006 | 23:59

    Den Begriff “Konformität” kenne ich eigentlich nur im Zusammenhang mit (vorzugsweise offenen) Standards. Microsoft ist aber fast immer bestrebt gewesen, proprietäre Formate durchzusetzen. Offene Standards und offene Formate befördern den Wettbewerb zwischen unterschiedlichen Systemen — ganz im liberalen Sinne. Gäbe es zum Beispiel ein einheitliches Format (zum Beispiel irgendeine Art von XML) für die Dateien aus Textverarbeitungen, an das sich alle halten müssten, dann wäre “Word” schon lange nicht mehr Quasi-Monopolist.

  12. Rayson
    1.04.2006 | 0:03

    @stefanolix

    Ich fürchte, auch dann. Der einzelwirtschaftlich fundierte Herdentrieb bleibt auch dann groß, und gerade Word, das sicher neben Excel und Access klar das schlechtere Produkt ist, findet sich über Works meist vorinstalliert.

  13. 1.04.2006 | 0:19

    Ja, aber Firmen und Behörden (die für Office wirklich Geld bezahlen müssen) könnten dann zu offenen Lösungen greifen. Der normale Benutzer, der zu irgendeinem Zeitpunkt seinen Frieden mit all dem Formatwirrwar von Microsoft gemacht hat, kann sich das nur leider nicht mehr vorstellen …

    Ohne jetzt allzu pessimistisch wirken zu wollen: Durch die Word-Versionen seit Word 2.0 bis Word 2000 (und durch das unselige PowerPoint) ist sehr vielen Leuten systematisch abgewöhnt worden, ihre Dokumente strukturiert aufzubauen, sinnvoll zu gliedern und nach Formatvorlagen formatieren zu lassen. Seit der ersten Version nach Word 2000 kann man wohl etwas besser mit Formatvorlagen umgehen. Aber in OpenOffice ist es noch wesentlich komfortabler und einleuchtender.

  14. googlehupf
    1.04.2006 | 15:01

    “Das Monopol Microsoft kann nur durch politischen Druck abgeschafft werden”

    Das bezweifle ich allerdings. Ich persönlich glaube Microsoft wird sich in einigen Jahren stark wundern müssen.

  15. 1.04.2006 | 15:54

    @googlehupf: da ist wohl der Wunsch der Vater des Gedankens. Ohne dass da viele Leute etwas tun, wird sich M$ überhaupt nicht wundern …

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