Dem aufmerksamen Leser dieses Blogs wird mein “Parteibuch” (in Wirklichkeit eine Plastikkarte) nicht entgangen sein. Hoffentlich aber auch nicht die Distanz, die ich dem aktuellen Politikangebot dieser Partei gegenüber zu wahren versuche.
Dennoch: Die Nummer, die SPON zur Zeit spiegeltypisch abzieht, provoziert meinen Widerspruch. Da wird in einem Beitrag die Lage der FDP beleuchtet, als sei es ihr Fehler, dass die schwarz-rote Koalition den Mediengesetzen gehorchend alle Diskussion erstickt. Die Grünen fliegen in Rheinland-Pfalz aus dem Parlament? Kein Thema, aber das Ende des Mitregierens trotz Stimmengewinnen bei den Liberalen ist Anlass zu hämischen Abgesängen. Diese Journaille, die der FDP bei jeder Gelegenheit vorhält, sie sei geil aufs Mitregieren, scheint sich in ihrem eigenen Zerrbild verfangen zu haben.
Witzig das Zitat im Artikel über Öttingers Taktieren: “Die Grünen statt der handzahmen FDP am Kabinettstisch, das wird er sich nicht trauen”. Wenn die FDP handzahm zu nennen ist, wie müssen wir denn dann das Verhalten der Grünen in den rot-grünen Koalitionen bezeichnen? Devot? Wo ist eigentlich das rot-grüne “Projekt” geblieben? Anspruchsstaatsbürgerschaft, Homo-Partnerschaft und Atomausstieg – war’s das? Ist es die Aufgabe des “kritischen Journalimus”, das Machtkartell der schwarz-roten Koalition ausgerechnet der größten der drei kleinen Oppositionsparteien aufs Butterbrot zu schmieren?
Vielleicht erleben wir momentan mindestens ein doppeltes Versagen. Der Staat flüchtet sich in die Friedhofsruhe eines Kartells, und die Presse, ihrer Parteibuchfeindbilder weitgehend beraubt, assistiert notgedrungen, weil ein personalisierungsfähiger Antagonismus beim besten Willen nicht herzustellen ist. Kurz: Alles schreit nach einem Haider. Ich hoffe, keiner hört’s.